»Wirtschaftsweiser« Franz verbeugt sich vor der Kanzlerin
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Mehr Markt, weniger Staatsausgaben, keine Steuersenkungen –
das sind die Kernforderungen des am Freitag veröffentlichten
Gutachtens des »Sachverständigenrates zur Begutachtung
der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung«. Das im Medienjargon
gern auch »die fünf Wirtschaftsweisen« genannte
Gremium verlangt darin von der schwarz-gelben Bundesregierung eine
»Exitstrategie« für den »Rückzug aus
den krisenbedingten staatlichen Eingriffen«. Diese
müßten »auf ein normales Maß«
zurückgeführt werden, heißt es in dem Papier. So
solle die bisherige Linie der Bankenrettung aufgegeben werden. Es
gehe »vor allem darum, die implizite Absicherung privater
Risiken durch den Staat glaubwürdig zurückzunehmen«
und »den marktwirtschaftlichen Mechanismus der Insolvenz
für Banken wieder in Kraft zu setzen«.
Zentrale Aufgabe für die nächste Legislaturperiode
müsse die »Konsolidierung der öffentlichen
Haushalte« sein. Die diesbezüglichen Aussagen im
Koalitionsvertrag stellten nur »Allgemeinplätze«
dar und könnten »in keiner Weise überzeugen«,
kritisiert der Sachverständigenrat. »Schlimmer noch,
ohne auf die Finanzierung einzugehen, werden zusätzliche
steuerliche Entlastungen in einem Gesamtvolumen von 24 Milliarden
Euro versprochen.«
Die »immense Neuverschuldung der öffentlichen
Haushalte« solle ab 2011 zurückgeführt werden,
verlangen die Ökonomen unter Verweis auf die
»grundgesetzlich verankerte Schuldenbremse«. Dazu
müsse die Regierung »deutliche
Ausgabenkürzungen« vornehmen, ansonsten würden
»Steuererhöhungen nicht zu vermeiden sein«. Die
brachte »Wirtschaftsweiser« Wolfgang Wiegard dann auch
als zweitbeste Variante ein: »Wenn es über
Ausgabenkürzung nicht geht, müssen die Steuern
erhöht werden«. Dabei sei eine
»Umsatzsteuererhöhung die beste unter all den schlechten
Steuererhöhungsmöglichkeiten«.
Auch in bezug auf die Rechte der abhängig Beschäftigten
ist den »Wirtschaftsweisen« der Koalitionsvertrag zu
weich: Die »notwendige weitere Flexibilisierung des
Tarifrechts und des Kündigungsschutzes« bleibe
»ausgespart«, kritisieren die Ökonomen. Zuspruch
findet das Vorhaben der Regierung, die Befristung von
Arbeitsverträgen zu erleichtern, genauso wie die Ablehnung
eines einheitlichen gesetzlichen Mindestlohns. Bedauerlich sei
aber, daß »von den ebenso bedenklichen
branchenspezifischen Mindestlöhnen« im Koalitionsvertrag
»keine Rede« sei.
Mißlinge »die Bewältigung dieser
Herausforderungen, dann würde Deutschland für eine lange
Zeit unter einer Wachstumsschwäche, einer die
Generationsgerechtigkeit untergrabenden hohen Staatsverschuldung
und einem am staatlichen Tropf dauerhaft hängenden
Bankensystem leiden, kurzum: an der ›japanischen
Krankheit‹«, betonte der Vorsitzende des
Sachverständigenrats, Wolfgang Franz. Der ostasiatische
Inselstaat war 1990 im Zuge einer Immobilienkrise in eine
Deflationsspirale geraten, von der sich das Land bis heute nicht
erholt hat. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP lasse
»nur bedingt den Schluß zu, daß sich die neue
Bundesregierung des Ausmaßes dieser Herausforderungen
bewußt ist«, fügte Franz hinzu.
Kanzlerin Angela Merkel ließ sich von der Kritik nicht
irritieren. In ihrer unnachahmlich flexiblen Art kommentierte sie,
sie stimme mit der Analyse des Sachverständigenrats
»völlig überein«.