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03.02.2005 / Feuilleton / Seite 13

Immer Auschwitz?

Wider die liberale Instrumentalisierung der Shoa

Franz Schandl

Wir leben in Zeiten einer doppelten Verharmlosung. Nicht nur, daß Auschwitz an anderem relativiert wird, ist ärgerlich. Ebenso unerträglich ist, daß Auschwitz alles andere relativiert. Kein Konflikt wird mehr als solcher (mit besonderen Bezüglichkeiten) wahrgenommen; er wird statt dessen irgendwie auf die Shoah projiziert und somit kleingemacht. Auschwitz selbst wird gar nicht mehr aus der historischen Entwicklung erklärt, dafür wird umgekehrt jedes aktuelle Ereignis mit Auschwitz in unmittelbaren Zusammenhang gebracht.

Vor lauter halluzinierten Faschisten sieht man die wirklichen nicht mehr, vor lauter herbeiphantasierten Antisemiten kann man die realen nicht mehr erkennen. Egal. Wenn sonst kein Argument mehr einfällt – Auschwitz muß auf jeden Fall verhindert werden; egal wo, egal wann, egal wie, egal, worum es geht. Der Verweis auf die Nazis ist fast überall zugegen, wird zu einer beliebigen Allzweckwaffe, jederzeit einsetzbar und eingesetzt. Die gestr...

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