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01.09.2003 / Feuilleton / Seite 12

Ohne Geschrei

Von Demagogen und Pädagogen: Was man am Jahrestag des Überfalls auf Polen wissen sollte

Kurt Pätzold

Es vergeht kaum ein Tag, an dem uns die Presse von FAZ bis taz nicht mitteilt, wer im benachbarten Polen für die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen eintritt, wer es in Wroclaw, Görlitz oder Berlin errichten möchte und wer sich dafür ausgesprochen hat, die ganze Idee aufzugeben, weil sie nur Streit und Unfrieden zu stiften in der Lage sei. Diese Berichterstattung, die neben der Frage des Ob oder Ob-Nicht nur die des Standortes aufwirft und sich sonst dumm stellt, vermittelt den Eindruck, das Wohl und Wehe der deutsch-polnischen Nachbarschaft hänge an diesem von Steinbach und Co. inszenierten Projekt. Dabei gibt es diesseits wie jenseits der Oder und Neiße einige Leute, die ohne Geschrei, mit weniger Geld, aber einem Mehr an Verstand seit langem beharrlich daran arbeiten, Vorurteile zu überwinden. So auch geschehen im Jahre 2001 in Paderborn, wo sich vornehmlich Erziehungswissenschaftler der beiden Staaten trafen. In »Vom Erinnern zum Verstehen« kann nachgelesen werden, was sie an Erfahrungen und Vorschlägen zu bieten hatten. Mehr Wissen, so die Überzeugung der Beteiligten, sei Voraussetzung von Verständigung.

Im Zentrum des durch weitere Beiträge angereicherten und von Wolfgang Keim herausgegebenen Bandes stehen, dem Anliegen der ganzen Reihe gemäß, Beiträge zu »Kindern als Opfer von Rassismus und Völkerhaß«. Umfassend können sich Lehrer informieren über polnische Jugendliche als Zwangsarbeiter in Deutschland; das Elend der Kinder im Warschauer Ghetto; Ostarbeiterinnen und deren Kinder; das Schicksal jener polnischen Kinder, die nach 1939 in der UdSSR lebten; das geheime Schulwesen im okkupierten Polen. Zu den verarbeiteten Erfahrungen gehören die aus dem »NS-Dokumentationszentrum« in Köln. Der Band enthält darüber hinaus eine Abhandlung über das Polenbild der westdeutschen Kinder- und Jugendliteratur seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Am Schluß wird ein Projekt vorgestellt, das in Form eines Wettbewerbs Deutsche und Polen, die seinerzeit zwischen fünf und 25 Jahre alt waren, aufrief, sich an die Zeit ihrer Vertreibungen zu erinnern. Aus den entstandenen Ar...



Es vergeht kaum ein Tag, an dem uns die Presse von FAZ bis taz nicht mitteilt, wer im benachbarten Polen für die Errichtung eines Zentrums gegen Vertreibungen eintritt, wer es in Wroclaw, Görlitz oder Berlin errichten möchte und wer sich dafür ausgesprochen hat, die ganze Idee aufzugeben, weil sie nur Streit und Unfrieden zu stiften in der Lage sei. Diese Berichterstattung, die neben der Frage des Ob oder Ob-Nicht nur die des Standortes aufwirft und sich sonst dumm stellt, vermittelt den Eindruck, das Wohl und Wehe der deutsch-polnischen Nachbarschaft hänge an diesem von Steinbach und Co. inszenierten Projekt. Dabei gibt es diesseits wie jenseits der Oder und Neiße einige Leute, die ohne Geschrei, mit weniger Geld, aber einem Mehr an Verstand seit langem beharrlich daran arbeiten, Vorurteile zu überwinden. So auch geschehen im Jahre 2001 in Paderborn, wo sich vornehmlich Erziehungswissenschaftler der beiden Staaten trafen. In »Vom Erinnern zum Verstehen« kann nachgelesen werden, was sie an Erfahrungen und Vorschlägen zu bieten hatten. Mehr Wissen, so die Überzeugung der Beteiligten, sei Voraussetzung von Verständigung.

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