19.11.2002 / Feuilleton / Seite 14

Fanatismus leicht gemacht

Was treibt den Papst ins italienische Parlament? Am Wochenende tagte in Jena der 6. Thüringentag für Philosophie

Günter Platzdasch

Am Donnerstag sprach erstmals seit der Annexion des Vatikan durch Italien vor 132 Jahren ein Papst vor dem italienischen Parlament und forderte für die geplante EU-Verfassung christlichen »Zement« im Fundament des »gemeinsamen Hauses«. Tags darauf fand in Jena der 6. Thüringer Philosophentag zum Thema »Politik und Religion in der Moderne« statt und debattierte bereits dieses Ereignis. Für die Themenwahl war allerdings eher Usama bin Laden als Johannes Paul II. verantwortlich, ist doch die Bedrohung des christlichen Abendlands durch islamische Fundamentalisten seit dem 11. September 2001 beliebtes Kongreßthema für Staatsschützer, Pastoren oder Philosophen. Auch in Jena entdeckte noch keiner das Kapitel »Fanatismus und Ergebung in Allahs Willen: Mohammed« in »Das Prinzip Hoffnung« von Ernst Bloch (»Wo nur eine einzige Fahne die rechte ist, hört das Wählen auf«).

Mathias Hildebrandt (Uni Erlangen) wunderte sich über die Vereinigten Staaten, wo – trotz ra...

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