22.03.2018 / Feuilleton / Seite 11

Manchmal bei Sturm

Gerlind Reinshagens außergewöhnliche Gedichte sind nun in einem Band erschienen

Björn Hayer

Die Welt in passende Bilder zu betten, ihr Wesen in Spiegelungen zu fassen – all das vermag Gerlind Reinshagens atmosphärisch dichte Lyrik. Nach vielen Hörspielen, Theaterstücken und Romanen erscheinen im Suhrkamp-Verlag nun erfreulicherweise ihre gesammelten Gedichte unter dem Titel »Atem anhalten«. Bereits das erste Poem gibt eines ihrer wichtigsten Verfahren zu erkennen: das Zoomen. Wenn man einen Mitmenschen verstehen möchte, setzt dies behutsame Annäherung voraus – so als würde man zaghaft das Innere eines fremden Hauses erkunden. Man muss »Den Spinnenhecken / Mit Geduld / Auf der Spur bleiben«, aber »niemals / Entlarven wollen«. Vor der »innersten Kammer« angelangt, sind schließlich Zurückhaltung und höchste Aufmerksamkeit gleichermaßen geboten: »Plötzlich / Hör ich dich atmen / Leise / Im Dunkeln / Hinter verschlossener Tür«.

Reinshagens Miniaturen klären nichts auf, sie umkreisen Phänomene. Besonders berührend sind die Texte über Vergangenheit und...

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