29.05.2002 / Inland

Selektive Anklage vor dem Landgericht

Unter merkwürdigen Vorzeichen begann in Berlin ein neuer Prozeß gegen DDR-Grenzsoldaten

Peter Rau

Fast auf den Tag genau 40 Jahre nach dem Tod von Peter Göring begann am Dienstag am Berliner Landgericht ein Prozeß gegen drei an jenem Geschehen beteiligte Männer. Die damaligen DDR-Grenzsoldaten, heute zwischen 59 und 65 Jahre alt, sind angeklagt, am 23. Mai 1962 in Berlin-Mitte auf einen DDR-Flüchtling geschossen und den 14jährigen Schüler lebensgefährlich verletzt zu haben. Wer sich in der DDR-Geschichte auskennt, weiß natürlich, daß es sich dabei nicht um den oben genannten Peter Göring gehandelt hat. Für den Tod des damals 21jährigen Gefreiten in derselben Stunde und am selben Ort sind Westberliner Polizisten verantwortlich - oder eben auch nicht. Denn die Staatsanwaltschaft wirft lediglich den drei Angeklagten versuchten Totschlag an dem 14jährigen vor. Dessen Verletzung wiegt in der rechtsstaatlichen Rechtsprechung offensichtlich schwerer als der Tod des DDR-Grenzers.

In der neudeutschen Geschichtsschreibung liest sich dieser Fall - zitiert nac...

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