23.03.2002 / Feuilleton / Seite 0

Tatwaffe »Braunbuch«

In den 60er Jahren bekam man es kaum über die Grenze nach Westdeutschland, jetzt ist es neu aufgelegt: Albert Nordens »Braunbuch«

Dr. Seltsam

Als im Sommer 1965 in der DDR das »Braunbuch« erschien, war ich zu Besuch in Warnemünde, nahm es mit nach Lübeck, und der Westzoll beschlagnahmte es an der Grenze. Oft habe ich diese Geschichte als Beispiel erzählt, wie unterschiedlich politische Unterdrückungsmaßnahmen Charaktere verbiegen - meine Eltern wurden ängstlicher, ich rebellisch. Natürlich hatte ich mir das Braunbuch auf anderen Wegen bald wieder verschafft. Es wurde zum Leitstern meiner politischen Aufklärung. Damals war ich dreizehn.

Die Beschlagnahme des »Braunbuchs« durch den gelangweilten Zollbeamten auf dem Lübecker Bahnhof wollte mir später niemand glauben. Zensur gab es im Westen einfach nicht, und selbstherrliche Wegnahmen ohne Gerichtsbeschluß waren für meine kleinbürgerlichen Freunde unvorstellbar. Dabei gab es für beides genügend Beispiele: Der weltberühmte Regisseur Jürgen Fehling durfte Brecht am Stadttheater nicht aufführen. Die West-FDJler wurden 1950 bei der Rückkehr vom Deut...

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