30.10.2009 / Feuilleton / Seite 12

Die Heilslehre von der oralen Wut

Otto F. Kernberg, Psychoanalytiker und Menschenverächter, tritt auf einem Kongreß in Köln auf. Es gibt Fortbildungspunkte von der Ärztekammer

Klaus Schlagmann
Einer, der im Alter von zwölf Jahren die Ermordung seiner Familie im KZ miterlebt hat, verhält sich als Erwachsener gegenüber Frau und Kindern auffallend aggressiv. Diese »chronische Aggression«, psychoanalysiert Otto Friedemann Kernberg, müsse der Patient als Säugling an der Mutterbrust entwickelt und in das KZ mit hineingebracht haben. Mit solchen Weisheiten schult Kernberg angehende Psychoanalytiker. Man lernt bei ihm auch, Fragen eines KZ- oder Folteropfers – »Glauben Sie mir nicht? Sind Sie nicht meiner Meinung? War das nicht entsetzlich?« – therapeutisch korrekt zu beantworten: »Warum brauchen Sie meine Meinung, anstatt eine eigene zu haben?«

Gerühmt wird auch die Erkenntnis des Meisters, daß eine Grundschülerin den sexuellen Mißbrauch durch ihren Vater »in typischer Weise (…) als einen sexuell erregenden Triumph über ihre Mutter« erlebe; sie müsse »ihre Schuld tolerieren«.

Vor einiger Zeit nahm sich eine Pa­tientin mit der Erfa...



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