01.02.2016 / Ansichten / Seite 8

Gescheiterter Staat

Kiew verliert Kontrolle über seine Neonazis

Reinhard Lauterbach

Was am Freitag abend im ukrainischen Dnipropetrowsk stattfand, wirkte zunächst wie eine Wiederholung der Zerstörung sowjetischer Denkmäler, wie sie seit dem Frühjahr 2014 in der Ukraine in Hunderten Fällen vorgekommen ist. Etwa 200 Anhänger des Neonazibataillons »Asow« – erkennbar an der Wolfsangel, die die Rechten als »Duftmarke« an eine Wand sprühten – stürzten das Denkmal für den Namenspatron der Stadt, Grigori Iwanowitsch Petrowski. Der Altbolschewik und langjährige Vorsitzende des Zentralen Exekutivkomitees der Ukraine (1920–1939) ist den Nationalisten seit langem ein Dorn im Auge. Sie machen ihn mitverantwortlich für die Hungersnot, der im Zuge der Kollektivierung mehrere Millionen Bauern in der Ukraine und anderen Sowjetrepubliken zum Opfer fielen – in der Ukraine besonders viele, weil sie damals das wichtigste landwirtschaftliche Anbaugebiet der Sowjetunion war.

Der Trennschleifer war schnell angesetzt, ein bereitstehender Auto...

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