22.02.2014 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Spendet für Zigaretten und Munition!

In der Ukraine stellen Faschisten den harten Kern der Straßenschläger. Mittelschichtler sympathisieren und kommen zum Kampftraining. Eindrücke vom Kiewer Euromaidan, gesammelt vor den jüngsten Auseinandersetzungen

Reinhard Lauterbach, Kiew
Auf den ersten Blick bietet Kiew bei meinem Besuch vor zehn Tagen das übliche Bild der postsowjetischen Klassengesellschaft: Die Sushi-Bars gut besucht, schicke Boutiquen mit Schlußverkaufsrabatten und im Durchgang einer Metrostation eine gegen den Durchzug mit Schal und Kopftuch vermummte alte Frau, die versucht, ihrem altersschwachen Akkordeon ein paar Töne zu entlocken und dazu mit zitternder Stimme zu singen. Jeden Geldschein, der in ihrem Karton landet, zieht sie zentimeternah vors Gesicht, um zu schauen, was er wert ist.

Vor dem Bahnhof laufen Frauen, die Zimmer vermieten, auf und ab und leiern monoton ihr »Kwartirakwartira­kwartira« herunter. Plötzlich rhythmische Rufe: »Ruhm der Ukraine – Ruhm den Helden«. Es marschiert eine paramilitärische Formation der nationalistischen »Freiheitspartei«. 20 bis 30 junge Burschen, alle in Tarnanzügen, dem Anschein nach funkelnagelneu, mit dem schwarz-roten Emblem der faschistischen »Ukrainischen Aufstand...

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