10.03.2012 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Der Schmerz verbindet

Geschichte und Gegenwart: Eine jüdische Familie in Westjerusalem engagiert sich für die Aussöhnung mit den Palästinensern

Andreas Boueke
Freitag nachmittag im israelischen Hörfunk. Guy Elhanan moderiert seine kontroverse Talkshow mit dem arabischen Titel »Netuley Harta«, kein Müll. In dem Gespräch mit einem Studiogast geht es um das Mit- und Gegeneinander von Juden und Arabern in Israel, Gaza und im Westjordanland. Sein Gesprächspartner ist heute Aziz Abu Sarah, ein palästinensischer Journalist. Noch vor wenigen Jahren wäre er nicht einmal auf die Idee gekommen, mit einem jüdischen Moderator im Radio aufzutreten. »Ich war sehr aktiv in der Anti-Friedensbewegung«, erzählt er. »Als ich 13 war, habe ich mich der palästinensischen Partei Fatah angeschlossen. Ich war einer der führenden Leute ihrer Jugendbewegung in Jerusalem. Damals habe ich geschrieben, daß Israel ein terroristisches Land ist, daß wir nie mit den Israelis reden oder mit ihnen Kompromisse eingehen dürfen.« Mit diesem Denken sei er aufgewachsen. »Der Umstand, daß ich jetzt hier in der Sendung von Guy bin, ist Beleg für eine gro...

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