23.02.2010 / Inland / Seite 5

Schweigen der Anklage

Nach mutmaßlichem Neonaziüberfall berufen sich die Rechtsextremisten auf Notwehr. Doch Zeugen widerlegen diese Version. Nebenkläger kritisiert Ermittler

Frank Brunner, Rostock
Für Dennis F. ist es vollkommen unbegreiflich, warum er auf der Anklagebank sitzt. »Ich mußte mich gegen eine Attacke von Linken wehren; mir ist rätselhaft, daß gegen mich ermittelt wird«, ließ der 25 jährige am Montag seinen Rechtsanwalt im großen Saal des Rostocker Landgerichts vorlesen. Dort wird seit dem 20. Januar gegen ihn und zwei weitere Neonazis verhandelt, die vor gut zweieinhalb Jahren an einem brutalen Überfall auf vermeintlich linke Jugendliche beteiligt gewesen sein sollen.

Zusammen mit etwa 150 anderen Rechtsextremisten – unter ihnen auch Udo Pastörs, Fraktionschef der NPD im Schweriner Landtag – fährt Franke an jenem 30. Juni 2007 von Güstrow mit der Bahn zu einer NPD-Kundgebung nach Rostock. In Schwaan steigen etwa 60 zumeist jüngere Fahrgäste in den Zug. Die Gruppe kommt vom »Fusion«, einem Musikfestival, das jedes Jahr in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Über das, was sich nur wenige Minuten später auf dem Bahnhof der Kl...

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