30.10.2009 / Feuilleton / Seite 13

Die Doktormacher (1)

Promotionsurkunden aus der Knastdruckerei und andere tolldreiste Gaunereien

Jörg Schröder / Barbara Kalender
Neunzehnhundertsiebenundsiebzig erhielt ich über den Rechtsanwalt Rupert von Plottnitz ein Memoirenmanuskript seiner Mandanten, es war von einiger Brisanz. Der Reihe nach: Ende der Sechziger hatten sich der Pelzhändler Werner Paul Nestmann und der Werkzeugmacher Karl-Friedrich Schwalm, beide damals vierzig Jahre alt, im Butzbacher Gefängnis kennengelernt. Dort arbeiteten sie als gewiefte Knastrologen in der privilegienreichen Schneiderei. Nestmann saß zum wiederholten Male wegen Konkursbetrugs, Schwalm war ebenfalls mehrfach rückfällig geworden, auch als Betrüger, und hatte während seiner Haft einen religiösen Tick entwickelt. Er schrieb seit Jahren an einem Wälzer über den Infinitesimalbegriff bei Cusanus, nicht so ganz tacko in Grammatik und Rechtschreibung. Aber als Adept des Nikolaus von Kues geübt in der ontologischen Auswertung mathematischer Intuitionen, stieß Schwalm in der Frankfurter Rundschau auf eine Notiz, die sich darüber amüsierte, daß eine...

Artikel-Länge: 5490 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe