18.08.2006 / Feminismus / Seite 15

Freiheit für Wegelagerer

Haben Abtreibungsgegner das Recht zu beleidigen?

Claudia Wangerin
Obwohl es eine gesellschaftliche Mehrheit für das Recht auf Schwangerschaftsabbruch gibt, wird Abtreibungsgegnern von deutschen Gerichten eine Sonderstellung eingeräumt, wenn sie zu Mitteln wie Beleidigung, Psychoterror und Holocaust-Vergleichen greifen. Ein Schelm, wer da den langen Arm des Vatikans zu spüren glaubt – schließlich haben auch hohe katholische Würdenträger mehrfach öffentlich solche Geschmacklosigkeiten von sich gegeben.

Mit der unsäglichen Wortschöpfung »Babycaust« stellte der Weinheimer Abtreibungsgegner Klaus Günter Annen auf seiner gleichnamigen Internet­seite die höchst persönliche Entscheidung einer Frau gegen die Fortsetzung einer ungewollten Schwangerschaft mit dem industriellen Massenmord an Juden auf eine Stufe. Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs handelt es sich dabei um eine legitime Meinungsäußerung. Das Bundesverfassungsgericht wertet immerhin dergleichen zumindest dann als Beleidigung, wenn der Vorwurf der verwerflichen Mas...

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