Gegründet 1947 Dienstag, 19. Februar 2019, Nr. 42
Die junge Welt wird von 2161 GenossInnen herausgegeben
09.01.2018, 12:30:02 / Rosa-Luxemburg-Konferenz 2018

Mumia Abu-Jamal

Mumia Abu-Jamal auf einem undatierten Bild im Gefängnis

Mumia Abu-Jamal wurde 1954 in Philadelphia/USA, geboren. Seine großen Leidenschaften waren von klein auf das Lesen und der Kampf um Gerechtigkeit. Mit knapp 15 wurde er kurz nach Gründung der Black Panther Party Pressesprecher der Ortsgruppe Philadelphia. Mit Anfang 20 begann seine vielversprechende Karriere als Radiojournalist. Daneben fuhr er Taxi, um seine Familie zu unterstützen, wurde Vorsitzender des Verbandes Schwarzer Journalisten in der Stadt und 1980 von den Daily News zu einem der »zehn Leute, von denen wir noch hören werden« gekürt. Es konnte niemand ahnen, dass das in ganz anderer Form als erwartet der Fall sein würde.

In der Nacht zum 9. Dezember 1981 kam es in der Stadtmitte von Philadelphia zu einer Schießerei. Der Polizeibeamte Daniel Faulkner starb dabei am Tatort, Mumia Abu-Jamal überlebte schwer verletzt. Der Täter floh. Abu-Jamal beteuerte seine Unschuld – dennoch wurde er zum Tode verurteilt und war 29 Jahre im Todestrakt. Im Dezember 2011 wurde das Urteil gegen ihn als verfassungswidrig aufgehoben und in »lebenslänglich« ohne Bewährung umgewandelt. Seither befindet sich Abu-Jamal im Regelvollzug im Gefängnis SCI Mahanoy in Pennsylvania. Anfang 2015 erkrankte der Gefangene schwer – erst ein heftiger Ausschlag am ganzen Körper, dann ein diabetischer Schock, schließlich die Diagnose Hepatitis C. Die Gefängnisbehörde verweigerte ihm zwei volle Jahre lang eine Behandlung mit den heute verfügbaren antiviralen Medikamenten – ebenso wie 8.000 weiteren infizierten Gefangenen in Pennsylvania. Begründung: zu teuer.

Dagegen klagte Abu-Jamal – mit Erfolg. Anfang Januar 2017 erließ Bundesbezirksrichter Robert Mariani eine einstweilige Verfügung. Darin wurde die Gefängnisbehörde angewiesen, dem Gefangenen »innerhalb von 21 Tagen die unmittelbar wirkenden antiviralen Medikamente« gegen seine Hepatitis-C-Infektion verabreichen zu lassen. Es dauerte weitere drei Monate, bis sich die Behörde endlich dem Recht beugte.

Derzeit prüft ein Revisionskontrollgericht auf Antrag von Abu-Jamals Verteidigung, ob er ein neues Revisionsverfahren erhält. Kern der juristischen Frage ist die Rolle von Ronald Castille, der in seiner Funktion als stellvertretender Bezirksstaatsanwalt 1982 an der Anklage gegen Abu-Jamal mitarbeitete und 1994 in seiner neuen Funktion als Richter dessen Revision ablehnte. Sollte Abu-Jamal in diesem Fall recht bekommen, wäre die Tür offen für ein neues Verfahren, in dem entlastende Beweise endlich eingebracht werden könnten. Mumia Abu-Jamals Freilassung stünde damit als ­realistisches Ziel am Horizont.

Am 17. Januar 2018 wird eine sehr wichtige gerichtliche Auseinandersetzung über die Herausgabe der staatsanwaltlichen Akten und die Rolle von Ronald Castille bei Mumias Verurteilung von 1982 stattfinden.

Abu-Jamal hat aus dem Gefängnis heraus mittlerweile acht Bücher und unzählige Kolumnen veröffentlicht, letztere werden seit 16 Jahren in deutscher Übersetzung in der Montagausgabe der jungen Welt abgedruckt.