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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser!

Von Peter Borak
Foto: Florian Boillot
»Frieden in der Ukraine und mit Russland, raus aus der NATO, nein zu Milliarden für die Bundeswehr« – Demonstration der Friedensbewegung in Berlin (16.4.)

Keiner von uns bleibt unberührt von den herzzerreißenden Bildern des Leids und der Zerstörung, die uns gegenwärtig nahezu im Minutentakt erreichen. Empathisch zu sein bedeutet schließlich, eine große Gabe der Kindheit in sich bewahrt zu haben. Mehr noch: Im neuesten, auf Seite13 dieser Beilage vorgestellten M&R-Heft wird Empathie treffend als »schärfste Waffe … gegen das Unrecht« benannt und dazu aufgefordert, gerade auf diesem Feld von den Kindern zu lernen. Denn nur so wird das von Marx eingeforderte Ziel zu erreichen sein: »die Versöhnung des Menschen mit sich selbst und mit der Natur«. Zugleich gilt es die Fähigkeit des Mitfühlens entschieden zu trennen von der gerade aktuell grassierenden, zutiefst heuchlerischen Praxis doppelter Standards, sie zu schützen gegen Missbrauch und Instrumentalisierung. Nur in Verbindung mit konkret-historischer und dialektischer Sicht auf leidvolles Geschehen wird das Potential der Emotionen sich progressiv entfalten können. Viele Teilnehmer der diesjährigen Ostermärsche haben sich dieser Herausforderung erfolgreich gestellt. Und in den Büchern von jW-Autorinnen und -Autoren (Seiten 4 und 5) wie auch in den Produktionen des Verlages 8. Mai (Seiten 7 und 8) sowie in den Kunstwerken engagierter Künstlerinnen und Künstler (Seiten 9 und 10) finden sich dazu hilfreiche Orientierungen. Mit der von ihnen ausgehenden Inspiration weitet sich der Blick für Not und Elend überall auf der Welt, und man wendet sich im gebührenden Maße auch den Bildern zu, die uns die dominierenden Medien lieber vorenthalten wollen. Die nicht ohne Grund durch den Verlag 8. Mai zum »Magazin für Gegenkultur« weiterentwickelte Zeitschrift Melodie und Rhythmus hat dazu in den letzten Jahren Bedeutendes geleistet, wie in den auf den Seiten 13 und 14 zur Nutzung vorgeschlagenen 21 M&R-Ausgaben nachgeprüft werden kann. Aber auch die auf Seite 6 zu findende Zusammenstellung von Arbeiten der Filmdokumentaristen Heynowski und Scheumann ruft uns Geschehenes bildhaft in Erinnerung, das zur Einordnung aktueller Ereignisse hilfreich ist. In diesem Sinne dienlich sein können auch viele der Publikationen, die im Rahmen unseres Modernen Antiquariats (Seiten 15 bis 18) besonders preisgünstig angeboten werden. Viele Möglichkeiten stabilisierender Rezeption also in aufwühlenden Zeiten, in denen sich die gesamte Gesellschaft einschließlich ihres linken Spektrums neu sortiert – Möglichkeiten dafür, den Kopf klar zu behalten und die Kraft der Empathie in die richtige Bahn zu lenken. Bei ihrer Nutzung wünsche ich Ihnen optimales Gelingen!

junge Welt

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Erschienen in der Beilage vom 22.04.2022, Seite 1, Ratgeber

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