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Aus: 70 Jahre junge Welt, Beilage der jW vom 11.02.2017
70 Jahre junge Welt

Mit Beharrlichkeit weiter

Die junge Welt hat es an ihrem 70. Geburtstag nicht mehr mit einer Gesellschaft des Friedens zu tun. Für die tritt sie aber ein
Von Arnold Schölzel
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Als die Wochenzeitung Junge Welt am 12. Februar 1947 zum ersten Mal erschien, lag Deutschland nach Faschismus und Weltkrieg in Trümmern, zeichnete sich der Kalte Krieg schon ab. Heute, 70 Jahre später sind wieder viele Menschen in Sorge um den Frieden. Die NATO hat im Sommer 2016 beschlossen, zu einem neuen kalten Krieg zurückzukehren. Gleichzeitig werden in den imperialistischen Hauptländern erneut neofaschistische Bewegungen geduldet und gefördert, wird getestet, ob sich wieder einmal eine Massenbasis für die reaktionärsten Kräfte aufbauen lässt. Für Spaltung und Schwächung von Arbeiter- und Friedensbewegung werden wie schon in der Vergangenheit nationale Vorurteile, Ressentiments, Unwissenheit und Lügen genutzt. Vom Klassengegensatz zwischen Arbeit und Kapital im eigenen Land und weltweit wird abgelenkt, indem oberflächliche Differenzen aufgebauscht werden. Die bürgerlichen Medien spielen beim Vergessenmachen der Ursachen von Krise, Krieg und Faschismus eine verheerende Rolle.

Die junge Welt hält dagegen, mehr noch, sie tritt für eine andere, eine sozialistische Gesellschaft ein, die nicht mehr den Krieg in sich trägt, stärkt den Widerstand gegen den imperialistischen Krieg. Er und der Wiederaufstieg von Faschisten und Nationalisten haben eine gemeinsame gesellschaftliche Grundlage. Die neokolonialen Kriege des Westens, die er nach dem Untergang der Sowjetunion in den vergangenen 25 Jahren anzettelte, setzten Rassismus, das Propagieren von sozialer Ungleichheit als natur- oder gottgegeben voraus und den Willen, dem angeblichen Feind das Menschsein letztlich abzusprechen. Daher werden diese Feldzüge zur Eroberung von Rohstoffen und Einflusssphären zumeist unter der maßgeblich vom damaligen US-Präsidenten William Clinton und seiner First Lady Hillary erfundenen Bezeichnung »humanitäre Intervention« geführt. Eine Pervertierung der Menschenrechte und des Humanismus wie sie seit 1945 unbekannt war. Im entfesselten Imperialismus nach dem Ende der Sowjetunion wurde für große Teile der Bevölkerung in den Unterdrückerstaaten Gewohnheit, stillschweigend hinzunehmen, wenn gegen Menschen »zweiter Klasse« westlicher Staatsterrorismus verübt wird.

Antifaschismus und antiimperialistische Solidarität standen am Anfang der Zeitung Junge Welt und bestimmen auch das heutige politische Profil der Tageszeitung junge Welt. Scheinbar abgeschlossen sind die Erfahrungen aus DDR-Zeiten. Je länger aber der ostdeutsche Staat Vergangenheit ist, desto deutlicher wird aber, wie stark er nachwirkt. Die Auseinandersetzungen nehmen an Schärfe eher zu statt ab. Das hat hierzulande mit den Ereignissen nach 1990 zu tun, als nicht nur die industrielle und intellektuelle Substanz dieses Landes zerstört, sondern auch seine Bevölkerung enteignet wurde, als Krieg und Massenarbeitslosigkeit in die DDR exportiert wurden.

Im 27. Jahr nach dem Ende des ostdeutschen Staates erscheint diese Zeitung nicht mehr in einer Frieden stiftenden Gesellschaft. Wer für den kämpferisch eintritt, hat in diesem Land immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen, wird im besten Fall ignoriert, zumeist aber juristisch belangt und politisch bekämpft. Nach wie vor sind die ökonomischen Bedingungen, unter denen diese Zeitung hergestellt wird, schwierig. Allerdings wachsen langsam, aber stetig Auflage und finanzieller Rückhalt durch die Genossenschaft, durch die Unterstützung von Leserinnen und Lesern, in deren Besitz der diese Zeitung herausgebende Verlag ist. Wir arbeiten mit Beharrlichkeit weiter, damit das so bleibt – trotz alledem.

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