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Aus: medien, Beilage der jW vom 28.11.2009

Durchladen, Dauerfeuer!

Die Medienlandschaft in Deutschland nähert sich lateinamerikanischen Verhältnissen. Glücklicherweise gibt es Gegentendenzen
Von Peter Wolter
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Wenn es um Widerstand gegen Hartz IV, Rente mit 67 und Kriegspolitik geht, flackern in vielen Redaktionen Deutschlands die roten Warnlämpchen auf. Und fallen gar die Stichworte Linkspartei, Lafontaine und DDR, brennen die Sicherungen durch: Dem gemeinen Redakteur tritt der Schaum vor den Mund, der Puls rast und der Atem beginnt zu fliegen. Recherche? Fairness gar? Kannste vergessen – durchladen, draufhalten, Dauerfeuer!

Manchmal geht so etwas aber gründlich daneben. Das ehemalige Nachrichtenmagazin Spiegel etwa, das seit Jahren abseits jeden journalistischen Anstands die genannten Stichworte bedient, ist jetzt mit einem lauten Klatsch auf den Bauch gefallen: Kaum lag die Sensationsstory über ein Techtelmechtel von Oskar Lafontaine in Millionenauflage an den Kiosken, stellte sich heraus, daß das zeitweise Abtauchen des Linkspartei-Chefs eine andere Ursache hatte: Krebserkrankung. Der Spiegel hatte sich mit seinem Rufmord-Journalismus so lächerlich gemacht, daß der Stern in der vergangenen Woche pikiert auf Distanz ging. In dem Zusammenhang sollte allerdings nicht verschwiegen werden, daß an der Bauchlandung des Spiegel auch Zuträger aus der Linkspartei beteiligt waren– laut Stern soll Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch hinter den Kulissen die Strippen gezogen haben.

Natürlich gibt es in Deutschland Pressefreiheit, steht ja schließlich im Grundgesetz. In der Praxis gilt aber immer noch die schon 44 Jahre alte Formel des Mitbegründers der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Paul Sethe: »Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu sagen.« Mit einer Einschränkung: heute dürften es vielleicht gerade noch zwei Dutzend reicher Leute sein.

Die Medienkonzentration in Deutschland hat mittlerweile lateinamerikanische Dimensionen erreicht. Die Printmedien werden im wesentlichen vom Springer-Verlag, Bertelsmann, der WAZ-Gruppe und Holtzbrinck beherrscht. Neoliberal sind so gut wie alle – wobei die einen mehr zur CDU/CSU, die anderen mehr zur FDP und zur rechten SPD neigen. Bei Rundfunk und Fernsehen sieht es nicht viel anders aus – die öffentlich-rechtlichen Anstalten orientieren sich immer stärker an den Privatsendern und den Interressen der Wirtschaft. Die Tendenz zur »Berlusconisierung« läßt sich nicht von der Hand weisen – letztes Beispiel dafür sind die Versuche des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), Einfluß auf die Besetzung des Chefredakteur-Postens beim ZDF zu nehmen.

Der Journalist klassischer Prägung, dem es in erster Linie um die Wahrheit und weniger um die billige Sensation geht, ist glücklicherweise noch nicht ausgestorben. Viele Kolleginnen und Kollegen versuchen immer wieder, sich dem »Mainstream« entgegenzustellen. Die Berichte über den Afghanistan-Krieg z. B. sind in den vergangenen Monaten deutlich kritischer geworden, es gibt auch immer häufiger Beiträge über die Verarmung vieler Menschen in Deutschland.

Themen wie diese gehören zum täglichen Brot der jungen Welt, die seit Jahren versucht, gegen den Strom zu schwimmen. Auch die vorliegende Beilage dient diesem Zweck: Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, daß in der Öffentlichkeit mehr über die Rolle der Medien diskutiert wird. Allein schon aus Platzgründen mußten wir dabei viele Themen auslassen – vorläufig jedenfalls.

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