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Aus: trikont, Beilage der jW vom 04.11.2009

Mühsamer Aufbruch

Die Dritte Welt sieht sich einem übermächtigen Feind gegenüber – und begehrt doch auf
Von Gerd Schumann
Tegucigalpa im Oktober 2009: Für die Wiedereinsetzung des legale
Tegucigalpa im Oktober 2009: Für die Wiedereinsetzung des legalen Präsidenten Manuel Zelaya

Eine unsägliche Arroganz prägt den Westzentrismus, jenes Propagandaklischee von einer in Gut und Böse, Zivilisation und Finsternis, Demokratie und Despotie geteilten Welt. Krieg wird zur grenzübergreifenden Krake. Die USA nehmen nun unter Friedensnobelpreisträger Barack Obama von Afghanistan aus Pakistan in den Würgegriff. Als Weltgendarm wirken sie trotz alledem »zunehmend überfordert«, meint Werner Pirker (Seite 8).
Der Trikont – Afrika, Asien, Lateinamerika – befindet sich historisch betrachtet inmitten eines zweiten großen Versuchs, dem Vormundbegehren der Reichen zu entsagen. In Etappe eins vertrieben nationale Befreiungsbewegungen die koloniale Herrschaft, die über Jahrhunderte den Eingeborenen Mores lehrte, ihnen also Zivilisation nach Gutsherrenart aufnötigte. Die Existenz eines sozialistischen Lagers erleichterte damals den Widerstand gegen die westliche Anmaßung. Das ist Geschichte. Der nunmehr globalisierte Unterdrückungswille eines Imperialismus, der unter unipolaren Vorzeichen agiert, zwingt zum multilateralen Widerstand (Knut Mellenthin, Seite 7).
Kuba, einst einziger staatlich institutionalisierter Hoffnungsträger für ganz Lateinamerika, überlebte bis heute und mit wachsenden Chancen. Das geschieht trotz der negativen Auswirkungen, die die weltweit wirkenden Marktmechanismen auf die sozialistische Volkswirtschaft im socialismo tropical haben (Steffen Niese aus Havanna, Seite 4). Gemeinsam mit Venezuela, Bolivien und anderen bieten die Staaten des Südens Washington mittlerweile die Stirn trotz Blockade und Honduras-Putsch. Mit ALBA entsteht ein Modell für die Integration Lateinamerikas, antiimperialistisch und solidarisch, so André Scheer (Seite 5).
Die Zusammenarbeit der unterschiedlich verfaßten, nach Unabhängigkeit strebenden Staaten des Trikont wird zum Zwang, den die globale Übermacht diktiert. Die Tendenz zu Kooperationen zwischen den Underdogs steigt seit Jahren. Sie bewirkt in den involvierten Drittweltländern Entwicklungsschübe, wie sie unter imperialistischer Ausbeutungsdominanz undenkbar waren (Rainer Rupp, Seite 3). Das unterscheidet sie vom kolonialen Konzept, das weiter wirkt: wie in der Westsahara (Kultusministerin Khadija Hamdi, Seite 6) und unter den Elenden in den meisten Trikont-Staaten (Professorin Utsa Patnaik, Neu-Delhi). Aber: Sie halten durch und begehren auf.
Unverzichtbar wird, daß die Unterdrückten in der westzentristischen Hemisphäre, also die, die das marode, überkommene kapitalistische System fürchtet, ihre Brüder und Schwestern im Süden endlich als solche erkennen. Die Bourgeoisie macht es auf ihre Art vor, über alle Grenzen hinweg. Contra-Söldner, die in Kolumbien Jagd auf Guerilla, Gewerkschafter und andere Regimegegner machen, wechseln nach Honduras, angeworben von Großgrundbesitzern »auf der Farm eines ehemaligen Drogenhändlers« (Spiegel,44/2009). Ihr neuer Marschbefehl: Verhindern, daß Manuel Zelaya in sein Amt zurückkehrt. Der legale linke Präsident war Ende Juni durch einen Militärputsch gestürzt worden, Massenproteste für ihn folgten. Nun benötigen die honduranischen Latifundistas Feuerschutz, um der Geister des Widerstands, die die Putschisten riefen, Herr zu werden.

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