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09.01.2008
- → Feuilleton
Boris Lurie gestorben
Der Künstler Boris Lurie ist tot. Er starb in der Nacht zum Montag in einem New Yorker Krankenhaus. Lurie gründete 1959 in der Lower East Side in Manhattan zusammen mit Sam Goodman und Stanley Fisher die NO!art-Bewegung, die Themen wie Shoah, Krieg, Kolonialismus, Atombombe und Pornographie zu fulminanten Collagen und Bildern verarbeitete. Die NO!art war die politisch-offensive Konkurrenz zur aufkommenden Pop Art. »Die waren amerikanisch-chauvinistisch: Eine Konservenbüchse ist wunderbar. Ein Supermarkt ist wunderbar. Wir waren das Gegenteil«, sagt Lurie in dem Film »Shoah und Pin ups«, den Reinhild Dettmer-Finke und Matthias Reichelt letztes Jahr über ihn rausbrachten. Für Lurie hieß das »No!« im Titel der Bewegung »erst mal nicht alles anzunehmen, was dir gesagt wird«. Sie waren direkt, subjektiv und links, der Kunstmarkt war ihnen egal.
Boris Lurie wurde 1924 in Riga geboren. Seine Mutter, seine Schwestern und seine Großmutter wurden Ende 1941 zusammen mit 26 000 anderen Juden von den Nazis umgebracht. Sein Vater und er überlebten die KZ. Nach 1945 malte er zuerst gegenständliche Symbolbilder, um das von ihm erlebte Grauen festzuhalten. Die ähnelten den illustrativen Arbeiten von A. Paul Weber und erschienen ihm bald überflüssig, denn es gab ja die Fotos aus den KZ, zu finden zum Beispiel im Life-Magazin – im Kontext von Reklame und Mode. Lurie fertigte schließlich auf Koffern und Leinwand All-over-Montagen an, in die er Fotos von Lebenden und Toten im KZ neben Fotos von nackten Frauen klebte, teilweise übermalt oder umhüllt von Farbe und mit Schrift versehen. Sozusagen der Horror, die Perversion und das Normale. (cm)
Boris Lurie wurde 1924 in Riga geboren. Seine Mutter, seine Schwestern und seine Großmutter wurden Ende 1941 zusammen mit 26 000 anderen Juden von den Nazis umgebracht. Sein Vater und er überlebten die KZ. Nach 1945 malte er zuerst gegenständliche Symbolbilder, um das von ihm erlebte Grauen festzuhalten. Die ähnelten den illustrativen Arbeiten von A. Paul Weber und erschienen ihm bald überflüssig, denn es gab ja die Fotos aus den KZ, zu finden zum Beispiel im Life-Magazin – im Kontext von Reklame und Mode. Lurie fertigte schließlich auf Koffern und Leinwand All-over-Montagen an, in die er Fotos von Lebenden und Toten im KZ neben Fotos von nackten Frauen klebte, teilweise übermalt oder umhüllt von Farbe und mit Schrift versehen. Sozusagen der Horror, die Perversion und das Normale. (cm)
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