Zum Inhalt der Seite

Hintergrund: Kreationismus und »Intelligent Design«

Die Anhänger des Kreationismus vertreten die Auffassung, daß die wörtliche Interpretation der Heiligen Schriften der abrahamitischen Religionen die tatsächliche Entstehung von Leben und Universum beschreibt. Der Kreationismus erklärt beides durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes. Die Kreationisten lehnen oft die Sichtweise der Naturwissenschaft im Allgemeinen und bestimmte wissenschaftliche Theorien im Besonderen ab. Dies bezieht sich vor allem auf die Darwinsche Evolutionstheorie und ihre Bedeutung für die moderne Evolutionsbiologie. Die meisten Kreationisten bestreiten die Theorien über den Ursprung des Lebens und der menschlichen Spezies, die geologische Erdgeschichte, die Entwicklung des Sonnensystems und den Ursprung des Universums.

Evangelikale Gruppen, vor allem in den USA, betreiben derzeit gezielte politische Lobbyarbeit, um zu erreichen, daß der Kreationismus an den Schulen als gleichberechtigte Alternative zur Evolutionstheorie unterrichtet wird. Es gelang ihnen, selbst US-Präsident George W. Bush für diese Forderung einzuspannen. Dieser sprach sich im August 2005 dafür aus, die »Lehre« vom »Intelligent Design« als gleichwertig mit der Evolutionstheorie in den Schulen im Fach Biologie zu unterrichten.

Die Anhänger der Theorie vom »Intelligent Design« (ID) vertreten die Position, daß die Entstehung des Universums und des Lebens am besten durch einen intelligenten Designer erklärt werden kann. Sie begreifen ID als eine Wissenschaft, die mit vorhandenen wissenschaftlichen Theorien zum Ursprung des Lebens auf einer Stufe steht oder ihnen überlegen ist.
Anzeige


In Deutschland sind die Ansichten der sogenannten Junge-Erde-Kreationisten am weitesten verbreitet, was in erster Linie mit dem Wirken des Stu-dienkreises Wort und Wissen zusammenhängt, der zunehmenden Einfluß auf politische Verantwortungsträger gewinnt konnte. Sie gehen davon aus, daß Gott die Erde in jüngerer Zeit erschaffen hat und daß diese Auffassung durch wissenschaftliche Belege gestützt und somit in Form einer Schöpfungswissenschaft vertreten werden kann.

(he)
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 15.11.2007, Seite 3, Schwerpunkt

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!