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Aus: Ausgabe vom 26.09.2007, Seite 15 / Antifa

Knabe wollte Nazi ehren

Berlin. »Herausragende Persönlichkeiten« wollte die sogenannte Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin unter Leitung von Hubertus Knabe für ihren Beitrag zur »Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur« würdigen. Zu diesem Zweck wollten die Geschichtsverdreher jährlich einen »Walter-Linse-Preis« verleihen. Das ging dann doch zu weit: Bevor es zur ersten »Ehrung« kam, wurde die Notbremse gezogen. Nun wird nach einem neuen Namensgeber für den Preis gesucht.

Walter Linse (1903–1953) soll 1952 von der DDR-Staatssicherheit entführt worden und später in Moskau zum Tode verurteilt worden sein. Geschichts- und Quellenforschungen zufolge war er einer der Hauptverantwortlichen der IHK Chemnitz für die Arisierung jüdischer Betriebe. Das teilten die Historiker und Publizisten Alexander Sachse und Klaus Bästlein am Dienstag in Berlin mit. Bästlein betonte: »Er war der Mann, der eine jahrzehnte- oder jahrhundertelange Tradition der Textilproduktion und des Textilhandels in Sachsen beseitigt hat.«


Den Forschungen zufolge war Linse seit September 1938 bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz mit den Arisierungen beauftragt und hat bis 1941/42 »mindestens 300 jüdische Betriebe liquidiert oder arisiert«. Damit sei er auch verantwortlich für die Vernichtung wirtschaftlicher Existenzen. Ein in anderen Linse-Biografien erwähnter Widerstand gegen den »Nationalsozialismus« lasse sich für den 1940 der NSDAP beigetretenen Juristen »nicht belegen«, so Bästlein. Vielmehr habe Linse entgegen der bisherigen Darstellung an der Verfolgung von Juden mitgewirkt oder sie billigend in Kauf genommen. »Linse war eklatant Täter im Nationalsozialismus und nicht nur ein einfacher Mitläufer.«(jW/ddp)

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