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Luftgitarristen

Von Anne Mühle
Ich gehe einfach auf die Bühne und lege eine krasse Show hin«, sagt Stefan Voltz. Etwa 500 Leute sind am Samstag in den Berliner Admiralspalast gekommen. Der Hesse wird als »Mr. 10000 Voltz« auftreten. Bei der 4. deutschen Luftgitarren-Meisterschaft. Er ist dann doch nur ein Scherzkeks nach dem Verfallsdatum: »Ich hoffe, daß mir bei meinem Auftritt keine Saite reißt«. Eine Gruppe Pfälzer haut in die gleiche Kerbe: »Wir sind die Roadcrew, wir haben das Equipment getragen.« Im ersten Durchlauf haben 14 Kandidaten je eine Minute Zeit, ein selbstgewähltes Stück zu spielen, Verrenkungen zu machen und die Frisur zu schütteln. Die elf besten kommen weiter in Runde zwei, die Pflicht nach der Kür: wieder eine Minute lang. Es geht um Interpretationen des Prince-Songs »Guitar«. Die Darbietungspalette reicht von Hüpfen über Striptease am Boden bis zum nochmaligen Haare-Schütteln. Mit unauffälliger Erscheinung, aber solidem Luftgitarrenspiel schlägt der Brandenburger Rene Schmidt die zum Teil volltrunkene Konkurrenz, wird als Gewinner gekürt. Schmidt ist ein solider Langweiler: »Ich habe überall geübt; zu Hause, in der Disko, sogar im Auto«. Wohin er dieses Jahr mit seiner Freundin in den Urlaub fährt, weiß er natürlich auch schon: Zur Luftgitarren-WM im finnischen Oulu.
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Erschienen in der Ausgabe vom 30.07.2007, Seite 13, Feuilleton

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