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Reaktion: General Musharraf erklärt sich

Pakistans Staatschef Pervez Musharraf setzt auf eine »neue Strategie« im »Kampf gegen den Terror«. In einer Fernsehansprache am Donnerstag abend (nach jW-Redaktionsschluß) wollte er nach offiziellen Angaben darlegen, warum die Armee am Dienstag mit dem Sturm auf die Rote Moschee und eine benachbarte muslimische Mädchenschule begonnen hatte.

Offiziellen Angaben zufolge kamen während der Belagerung und Erstürmung der Roten Moschee insgesamt 106 Menschen ums Leben, darunter elf Soldaten. Bis zum Beginn des Sturms wurden demnach 24 Menschen getötet, davon zwei Soldaten, während der Kämpfe am Dienstag und Mittwoch 82 Menschen. Ein Augenzeuge widersprach den offiziellen Opferzahlen. Der pakistanischen Tageszeitung Dawn sagte der Mann, er habe gesehen, daß das Gelände am Mittwoch mit Leichen, die in weiße Tücher eingehüllt waren, übersät gewesen sei. Er habe die Leichen nicht zählen können, es seien jedoch Hunderte gewesen.
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Die in der Roten Moschee gefundenen Raketenwerfer, Maschinengewehre, Sprengstoffgürtel und Wehranlagen ließen Vizeinformationsminister Tarik Azeem von einer »Festung« sprechen. Der Vorsitzende der Anwaltskammer von Pakistans Oberstem Gerichtshof, Munir Malik, sprach vom bislang »größten Versagen« des Geheimdienstes. Fest stehe, so AFP weiter, daß der festgenommene Imam Abdul Aziz und sein bei der Erstürmung der Moschee erschossener Bruder Abdul Rashid Ghazi Kontakte zum Geheimdienst ISI pflegten. »Beide Seiten kamen sich näher, als der Vater der beiden Islamisten-Anführer die Moschee leitete. Als Unterstützer des antisowjetischen Dschihads im besetzten Afghanistan (1979–1989) waren die drei dem Geheimdienst willkommen. Später unterstützten sie den Aufstieg der Taliban im Nachbarland. Teile des ISI protegierten Aziz und Ghazi auch noch, als sie aus ihrer Feindschaft gegen Musharraf und dessen prowestlichen Kurs keinen Hehl mehr machten.« (AFP/AP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 13.07.2007, Seite 3, Schwerpunkt

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