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Aus: Ausgabe vom 12.07.2007, Seite 15 / 73

Neue Oper

Im Rahmen der Audi-Sommerkonzerte wird heute in Ingolstadt eine Klimawandel-Oper uraufgeführt. Sie hat den Titel »The Egg Musher«. Komponiert wurde sie von Stefan Hakenberg (46). Der gebürtige Wuppertaler studierte von 1985 bis 1989 an der Kölner Musikhochschule bei Hans Werner Henze, promovierte 1997 an der Harvard-Uni und lebt heute in Juneau, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Alaska.

Hakenbergs Kammeroper wird auf zwei ineinander verschachtelten Ebenen erzählt (Textbuch: Michael Kerstan, ebenfalls Henze-Schüler). Die eine Ebene spielt Ende des 19. Jahrhunderts zur Zeit des Klondike-Goldrausches. Egg-Mushers sind hartgesottene Typen, die per Schiff und Hundeschlitten Hühnereier von San Francisco nach Dawson City an der Mündung des Klondike River bringen, um sie gegen Gold zu verkaufen. Eier gehören für die Goldgräber zum Frühstück, Hühner können wegen der Kälte am Klondike nicht gehalten werden.


Die zweite Handlungsebene spielt im Jahr 2050. Der Bürgermeister von Dawson enthüllt ein Denkmal für den letzten Egg-Musher. Der Klimawandel ist fortgeschritten. Quer durch Alaska und Kanada sind Erdgaspipelines verlegt. Sie bringen Wasser von den schmelzenden Gletschern in den Süden der USA, wo Wassermangel herrscht. Hakenberg: »In der Oper geht es vor allem um den Verlust von Landschaft, Raumgefühl, Heimat. Vieles wird mit dem Klimawandel verloren gehen. Aber auch Neues wird entstehen, wenn etwa Klimaflüchtlinge aus anderen Teilen der Welt die höheren Regionen besiedeln.« In Alaska würden heute selbst hoch im Norden die Gletscher schmelzen. Außerdem sei die Küste der Erosion ausgesetzt, das alljährliche Schlittenhunderennen durch Schneemangel beeinträchtigt. Daß die Oper für Schlagzeug, Gitarre, Geige, Flöte, Bariton- und Sopranstimme ausgerechnet bei einem Autokonzern uraufgeführt wird, nennt Hakenberg eine »zweischneidige« Angelegenheit. (ddp/jW)
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