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Was die CDU leitet

Der hessische Landtag tobte. Weil die CDU-Fraktion letzte Woche den rechten Poltergeist und Historiker Arnulf Baring eine Rede halten ließ, hatte die SPD-Fraktion am Donnerstag zur aktuellen Stunde geladen. Im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der CDU unter dem Titel »Was uns leitet« hatte Baring die Nazidiktatur als »beklagenswerte Entgleisung« eingeschätzt. Die Gewalttaten von Neofaschisten seien seiner Ansicht nach nicht nazistisch motiviert, sondern Jugendverirrungen. In der Landtagsdebatte sagte CDU-Fraktionschef Christean Wagner, daß sich die Union nicht einzelne Formulierungen zu eigen mache, insgesamt aber habe es sich bei Barings Rede um ein Plädoyer für einen toleranten Patriotismus gehandelt, womit er sich »ausdrücklich einverstanden« erklärte. Der SPD warf Wagner ein noch immer »ungeklärtes Verhältnis zu unserem Vaterland« (Lieblingsthese der deutschen Rechten seit 1863) vor. Die hessische SPD-Landesvorsitzende Andrea Ypsilanti warf Baring vor, er wollte die Geschichte des Nationalsozialismus umschreiben. Es sei ein politisches Problem, wenn eine solche Rede von der hessischen CDU enthusiastisch beklatscht werde. Ministerpräsident Roland Koch schwieg sich aus.

(AP/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 15.09.2006, Seite 12, Feuilleton

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