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Zahlreiche Neonaziangriffe in Berlin

Berlin. Eine Fülle rechter Übergriffe ereigneten sich am Wochenende in Berlin: Am Samstag bedrohten vier Männer am Alexanderplatz einen 32jährigen Kameruner mit einer abgebrochenen Bierflasche. Zudem riefen sie rassistische Parolen und bespuckten ihr Opfer. Bereits einige Tage zuvor war ein Kameruner im Prenzlauer Berg angegriffen worden.

Samstag morgen sollen nach Polizeiinformationen Nazis zwei Jugendliche in Schöneweide attackiert haben. Als sich zwei Zivilbeamte auf die Suche nach den Tätern machten, stießen sie auf vier Verdächtige und nahmen die Verfolgung auf. Dabei griff ein Neonazi nach einen Schlagstock und bedrohte die Beamten. Die Situation eskalierte, als etwa 15 Neonazis den inzwischen Festgenommenen zur Hilfe eilten und die Beamten mit Flaschen bewarfen. Vorerst gelang allen die Flucht. Elf Neonazis wurden später in einem Wohnhaus festgenommen. Ermittelt wird nun u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung und Gefangenenbefreiung.

Bereits am späten Freitag nachmittag griffen nach Informationen eines »Bündnisses gegen Rechts« (BgR) 15 Neonazis einen Antifa-Infostand am U-Bahnof Rudow an (Fotos). Dabei setzten sie auch Knüppel und Leuchtspurmunition ein. An der Aktion beteiligten sich stadtbekannte Neonazis, unter ihnen René Bethage (linkes Bild, 2.v.l.), der Gründer der verbotenen »Berliner-Alternative Süd-Ost« (BASO) und Timo Lenning (Bild rechts). Lenning hatte am 18. Juni in Schönefeld einen in Äthiopien geborenen Deutschen brutal angegriffen.


In einer Polizeipressemeldung wurde kurz nach dem Angriff auf den Antifastand der Eindruck erweckt, Linke hätten Neonazis angegriffen. Ein Polizeisprecher erklärte auf jW-Anfrage, daß sich die Polizei auf die Aussage eines Neonazis gestützt habe, weil eine Zeugenaussage der Standbetreiber anscheinend nicht vorgelegen habe. Ein BgR-Sprecher bezeichnete die Neonaziaussage als »Schutzbehauptung«. Die Standanmelderin Julia Wiedemann (Linkspartei.PDS) zeigte sich jW gegenüber über die Polizeimeldung ebenfalls verwundert und erklärte, daß Polizeibeamte sofort nach der Attacke Betroffene zu dem Vorfall befragt hätten. Die Notwendigkeit einer Richtigstellung sah die Pressestelle bisher nicht.

Innensenator Ehrhart Körting berichtete am Montag, Aktivisten der verbotenen »KameradschaftTor« und BASO seien weiter aktiv. BASO-Mitglieder wären heute vorwiegend in der NPD, eine Nachfolgeorganisation der »Tor« existiere zudem in Lichtenberg weiter.

(lb)
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Erschienen in der Ausgabe vom 30.08.2006, Seite 15, Antifaschismus

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