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Zentralrat der Muslime

Protest gegen Terrorhysterie


Nach dem Terroralarm in London warnt der Zentralrat der Muslime in Deutschland vor einer überzogenen Sicherheitsdebatte hierzulande. Generalsekretär Aiman Mazyek sagte am Montag im Südwest­rundfunk, er rechne mit einer Verabschiedung der geplanten Antiterrordatei, wolle aber nicht in einem Land leben, das »zu einem Überwachungsstaat mutiert«. Der für September geplante Islam-Gipfel dürfe keine reine »Sicherheitskonferenz« werden.

»Wir können nicht Integration durch Sicherheitsgesetze ersetzen, da brauchen wir noch weitaus mehr«, betonte Mazyek. In der Öffentlichkeit werde zudem noch viel zu wenig unterschieden »zwischen den mehrheitlich friedliebenden Muslimen und den potentiellen Attentätern«. Der Vorwurf, die Muslime in Deutschland böten den Radikalen unter sich nicht genügend Paroli, entbehre jeder Grundlage. »Die Arbeit, die wir tagtäglich leisten, ist ein klarer Beweis dafür, daß Extremismus und Terrorismus keinen Nährboden haben in den Moscheengemeinden, sonst hätten wir eine ähnliche Situation wie in England, und das ist hier nicht der Fall.«

Terror sei abzulehnen, aber »jede Bombe auf unschuldige Zivilisten im Nahen Osten« treibe die Menschen »in die Fänge von Scharlatanen, die das durchaus ausnutzen und mißbrauchen«, sagte der Generalsekretär. Niemand schreibe darüber, daß die Demonstrationen gegen den Krieg in Nahost in Deutschland demokratisch und »friedliebend« seien, obwohl die Muslime »unglaublich leiden unter dem, was tagtäglich dort eintritt«.
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Unterdessen warnen deutsche Geheimdienste weiterhin vor einem »Überspringen« der Terroraktivitäten auf die Bundesrepublik. »Wir sehen entsprechende Zeichen an der Wand«, erklärte ein Fahnder der Nachrichtenagentur ddp am Montag. Der untergetauchte Marokkaner mit BRD-Paß gilt den Terroristenjägern als sogenannter Cheflogistiker der Attentäter vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York.

Nach Erkenntnissen des Bundesinnenministeriums hatten die mutmaßlichen Flugzeug-Attentäter von London jedenfalls keine aktive Unterstützung aus Deutschland. »Wir haben nach wie vor keine Hinweise, daß von Deutschland aus ein Tatbeitrag geleistet worden ist oder daß Personen, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben, unmittelbar involviert sein könnten«, sagte Staatssekretär August Hanning am Montag.

(AP/ddp/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 15.08.2006, Seite 3, Schwerpunkt

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