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Einer geht noch! Neues aus dem Sommerloch des Dopingdiskurses

Der frühere Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Helmut Digel, hat die jahrelange Untätigkeit von Sportpolitikern in der Doping-Bekämpfung gerügt. Er begründete dies in der Stuttgarter Zeitung unter anderem mit der langjährigen vergeblichen Forderung nach Einrichtung von Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften in den Bundesländern. »Die aktuelle Debatte wird von Leuten geführt, die alle zu fragen sind, was sie bislang getan haben, um Dopingbetrug Einhalt zu gebieten. Dies gilt für alle Justizminister, aber auch für alle Innenminister und so manchen führenden Sportfunktionär«, meinte der Vizepräsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF. Digel erwartet jedoch von der Politik nicht viel. »Ich habe Innenminister kommen und gehen gesehen. Alle haben sich durch eine großartige Rhetorik ausgezeichnet. Eine tragfähige Arbeitsteilung zwischen Sport und Politik hat es jedoch bis heute im Antidopingkampf noch nicht gegeben.«

Das legendäre Heidelberger Dopingorakel Werner Franke will unterdessen gegen die »intellektuellen Täter im Hintergrund« kämpfen – für ihn die Hauptverantwortlichen für einen verseuchten Sport. Ärzte, Wissenschaftler, Sportfunktionäre hätten ein »mörderisches System« geschaffen, das von Teilen der Politik, Medien und Justiz gedeckt werde, sagte der Molekularbiologe der Zeit. »Schwarz-Rot-Gold muß oben sein, dafür werden buchstäblich Tote in Kauf genommen«, meinte der 66jährige und schloß bei seiner Rundumkritik kaum einen Bereich aus. Pharmakonzerne und Ärzte wirkten daran mit, daß verbotete Substanzen an Sportler gelangten, die Medien würden durch unkritische Berichterstattung »kriminelle Beihilfe« leisten, von der Justiz würde Doping als Kavaliersdelikt betrachtet. Ein Teil des Problems sei auch, daß die Höhe der staatlichen Förderung von den Medaillenchancen abhänge: »In vielen Sportarten aber hat man ohne Doping keine Chance.«
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(sid/jW)
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Erschienen in der Ausgabe vom 03.08.2006, Seite 16, Sport

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