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Aus: Ausgabe vom 31.05.2006, Seite 12 / Feuilleton

Handke lesen!

In der FAZ vom Dienstag hat Peter Handke sich zu Wort gemeldet, mit einer Handvoll »Richtigstellungen«. Es muß ihn doch sehr wurmen, ständig von Journalisten auf irgendeinen blöden Punkt gebracht zu werden. »Ich habe nie eines der Massaker in den Jugoslawienkriegen 1991 bis 1995 geleugnet oder abgeschwächt, verharmlost oder gar gebilligt«, teilte er mit. »Nirgendwo bei mir kann man lesen, ich hätte Slobodan Milosevic als ›ein‹ oder ›das Opfer‹ bezeichnet.« Für eine beispielhafte Verkürzung zeichne der »Theatersachverständige« der FAZ verantwortlich: Im Stück »Die Fahrt im Einbaum« (1999) sei zwar davon die Rede, daß das serbische Volk »Europa das Essen mit Messer und Gabel beigebracht habe, und überhaupt die Kultur«. Allerdings sage das eine »kleine Figur mit dem Rollennamen ›IRRER‹«. Es zeugt tatsächlich von anmaßender Dummheit, diese Position eins zu eins als eine von Handke ins Blatt zu heben. Wie schlecht die Abteilung Propaganda des Bürgertums mittlerweile doch aufgestellt ist! Am Schluß der nüchtern-resignativen Verlautbarung, die stellenweise von recht feiner Ironie durchzogen ist, ringt Handke sich zur Hoffnung durch, von einzelnen noch »Wort für Wort« gelesen zu werden; deshalb jetzt auch den Heinrich-Heine-Preis zu kriegen. Aber auch die Debatten um diese Preisverleihung wird hierzulande von Leuten wie Günter Kunert bestimmt. Am Dienstag drohte er im Deutschlandradio, seinen 1985 aus nichtliterarischen Gründen erhaltenen Heine-Preis zurückzugeben, sofern in diesem Jahr mit Handke der »Barde eines Diktators« geehrt werde. »Der wird überhaupt nicht ausgestoßen. Es ist in Deutschland doch der Fall, daß Leute, die wie Handke gegen den sogenannten Mainstream schwimmen, beglückwünscht werden.« Schön wär’s. (jW)

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