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Aus: Ausgabe vom 27.03.2026, Seite 3 / Ansichten

Fahrspaßoberst des Tages: André Wüstner

Von Arnold Schölzel
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Die guten alten Kriegszeiten sind zurück, leider nicht schnell genug, meint Oberst André Wüstner, Chef des Bundeswehr-Verbandes. Am Donnerstag zitierte die Rheinische Post neue Beschleunigungslaute von ihm: »Wir dürfen uns nicht weiterhin einseitig auf den Krieg der USA und Israels gegen den Iran fokussieren«, denn »bei allen Interessen, die auch wir in dieser Region haben, geht die größte Bedrohung für unser Leben in Frieden und Freiheit nach wie vor von Russland aus.« Wo »wir« keine Interessen haben.

Aber es ist wie 1914 oder 1941: Da tut sich eine »Abschreckungslücke« auf. Auf Trump sei kein Verlass, und »2029 als Fixpunkt für den Gipfel russischer Bedrohung ist optimistisches Wunschdenken«. Von dem ist Wüstner frei, hat nur gewissermaßen das Weiße im Auge der vorrückenden Muschkoten gesehen: »Die Gefahr besteht bereits jetzt – und sie wird täglich größer.« Wenn aber Wladimir Putin im 24-Stunden-Takt dem Wüstner näher kommt, muss Deutschland rund um die Uhr arbeiten. Daher: »Die Bundesregierung sollte die Ausbildung der Ukrainer am Waffensystem ›Taurus‹ in Betracht ziehen«, was der Abschreckung und damit der Diplomatie im Umgang mit den Moskowitern diene. Die reagieren diplomatisch nur auf Waffen, und von denen müssen mehr her: »Die Rüstungsindustrie muss schneller als bisher ihre Produktionskapazitäten erhöhen, idealerweise endlich in einen Mehrschichtbetrieb übergehen und gleichzeitig gemeinsam mit der Bundesregierung einen ›Kick-down‹ entwickeln, um bei weiterer Eskalation in eine Art Kriegswirtschaft zu gelangen.«

Durchdrücken des Gaspedals in echt – gib Gas, ich will Spaß – bleibt der Traum des Landsers und Wüstner sein optimistischer Wunschdenker. Mit ihm an der Spitze wird das nächste deutsche Verbrenner-Aus erneut irgendwo auf dem Weg nach Moskau stattfinden.

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  • Leserbrief von Frank Lukaszewski aus Oberhausen (27. März 2026 um 10:28 Uhr)
    Die Russische Föderation verfügt über relativ viele Ressourcen. Die BRD verfügt über was? Steinkohle. Wo? Weshalb gäbe es nunmehr Gründe für einen Krieg? Ich bleibe mal bei meinem Lieblingszitat von Eckenga, was er vielleicht an dieser Stelle nicht gerne sieht: »Da kannst Du in der nächsten Halbzeitpause mal ’ne Viertelstunde drüber nachdenken. Viertelstunde nachdenken? Das schaffst Du schon. Glück auf!«
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Franz S. (27. März 2026 um 09:41 Uhr)
    Nicht nur Wüstner »gibt Gas und will Spaß«, auch der Kommentator hat Satire-Spaß und benutzt Begriffe, die entweder kaum ein Mensch kennt oder die nicht mehr benutzt werden: »Muschkoten«, da muss man schon googeln: »Ein Muschkote ist ein veralteter, salopp-abwertender [!] Begriff für einen einfachen Soldaten, meist der Infanterie, oder einen ranglosen Soldaten. Das Wort stammt aus dem 19. Jahrhundert, ist eine Entstellung von ›Musketier‹ und wird oft synonym zu Landser oder Fußsoldat verwendet. (…) Nicht zu verwechseln ist der Muschkote mit der Mischpoke (auch Muschpoke), was eine abwertende Bezeichnung für eine Sippschaft oder Bande ist. Moskowiter: «Moskowiter ist eine veraltende Bezeichnung für einen Einwohner von Moskau oder historisch für einen Bewohner des Großfürstentums Moskau (Moskowien). Der Begriff bezieht sich auf die Bewohner der russischen Hauptstadt oder des russischen Staates vor der modernen Ära. Heute wird er teilweise in politischem Kontext abwertend [!] genutzt.» Dass selbst der Kriegstreiber Oberst Wüstner diese die russischen Menschen abwertenden Begriffe nicht benutzt hat – ansonsten wäre das erwähnt worden –, sollte zu denken geben.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Torsten Andreas S. aus Berlin (26. März 2026 um 23:27 Uhr)
    Der Scheff des Bundeswehrverbandes hat es nur bis zum Oberst gebracht, dürfte also nicht einmal ein Regiment rumkommandiern? Und will uns alle gegen die Russkies strammstehen lassen, auch wenns im Osten gegen uns so reinweg gar nicht vorangeht? Was wird denn da alles falschgemacht bei der Bundeswehrausbildung? Oder brauchts nur fittere Redenschreiberinnen, irgendwas Kriegstüchtigeres an Personal? Mit Kampf-/Front-/Kriegserfahrung? Wo wollen wir denn da mal anrufen?

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