Zum Inhalt der Seite
Bildreportage

Durch den Blick der anderen

Das internationale Kollektiv »The Journal« will der Perspektive von weiblichen und nichtbinären Fotografen Geltung verschaffen

no image
Tausende Menschen versammelten sich in Diyarbakır, um das Newroz-Fest zu feiern. Für die Kurdinnen und Kurden ist Newroz zugleich ein Symbol des Widerstands, der Freiheit und der Erneuerung
no image
Mitglieder des Kollektivs »South Texans for Reproductive Justice«. Die Organisation wird von Latinx- und queeren Personen geleitet und ist vor allem im Rio Grande Valley in Texas aktiv
no image
Junge Mitglieder der Vodum-Marching-Band warten hinter der Bühne auf den Hauptauftritt in der zentralen Arena der Stadt Ouidah, Benin
no image
Omê und Kekik tanzen auf einer Solidaritätsparty von »Hande Kader« in Berlin, 2025. »Hande Kader« ist ein Solidaritätsnetzwerk, das Stipendien für trans Studierende in der Türkei vergibt
no image
In Saraçhane, Istanbul, versammelten sich Demonstrierende, um gegen die Inhaftierung Ekrem İmamoğlus und seiner Mitarbeitenden zu protestieren. Die Polizei reagierte mit einem rigorosen Einsatz
no image
Amaranta, mit Spina bifida geboren, steigt einen steilen Pfad hinab. »Mit 15 hatte ich eine Operation zur Vergrößerung meiner Blase … Ich wachte gelähmt auf«, sagt sie
no image
In Frankreich fotografiert, behandelt die Fotoserie »Sisterhood« das 2022 verhängte Kopftuchverbot im Basketball und die umfassendere Ausgrenzung sichtbar muslimischer Frauen aus dem Sport

Bilder sind unsere Fenster zur Welt. Sie evozieren Emotionen und Verständnis, während sie uns gleichzeitig Zugang zu Orten verschaffen, an denen wir nie gewesen sind, Ereignisse dokumentieren und Menschen porträtieren, deren Leben sich wahrscheinlich nie mit unserem gekreuzt hätte. Im Laufe der Geschichte wurde die Kamera, ein Instrument mit einer dunklen kolonialen Vergangenheit, vor allem von Männern verwendet.

Obwohl sich die Situation in den vergangenen Jahren dank der Bemühungen von Gruppen und Institutionen, die den Geschlechter-Gap in der Fotografiebranche verringern möchten, verbessert hat, stammen nur etwa 20 Prozent der Bilder auf den Titelseiten großer internationaler Publikationen von Frauen und nichtbinären Fotojournalisten (2017 lag dieser Wert bei etwa zehn Prozent)¹. Diese Zahl spiegelt die nach wie vor niedrige Anzahl an weiblichen und nichtbinären Fotografen wider, die von Nachrichtenagenturen und Redaktionen beschäftigt werden – obwohl weltweit mehr Frauen als Männer eine fotografische Ausbildung absolvieren, wie mehrere Statistiken belegen².

Diese Bilder sind Teil eines offenen Aufrufs des Fotokollektivs »The Journal«³, eines internationalen Kollektivs von weiblichen und nichtbinären Fotografen aus der ganzen Welt. Kuratiert von Charlotte Schmitz und Yen Duong, Hauptorganisatorinnen von »The Journal«, richten viele der ausgewählten Bilder den Blick auf die Communitys der Medienschaffenden, denen sie sich zugehörig fühlen oder zu denen sie eine besondere Verbindung haben. Aylin Kızıl fotografiert kurdische Frauen, die während der Newroz-Feier in Diyarbakır tanzten. Sara Swaty porträtiert eine junge Frau, die mit Spina bifida geboren wurde, um ihre eigene Perspektive auf die Resilienz von Menschen mit Behinderung zu zeigen. Su Cassiano fotografiert junge Frauen in Noisy-le-Sec, die aufgrund des Kopftuchverbots im Basketballsport von 2022 und des Anstiegs der Islamfeindlichkeit sowie der erstarkenden extrem rechten Politik in Frankreich nicht mehr Basketball spielen können. Charlotte Schmitz dokumentiert seit 13 Jahren ihre Freundinnen im Istanbuler Stadtviertel Balat, einem Ort, der zunehmend von Gentrifizierung geprägt ist.

Diese Bilder zeigen den einzigartigen Zugang des Fotokollektivs zu den Geschichten ihrer eigenen Communitys und verdeutlichen die Bedeutung, durch den Blick der »anderen« in unterschiedlichen lokalen Kontexten zu schauen. Wer bekommt die Chance, das Gesehene festzuhalten und davon zu erzählen? Und wie würde sich die Welt darstellen, wenn wir sie durch die Augen von weiblichen und nichtbinären Fotografen betrachten könnten?

Anmerkungen

1 www.womenphotograph.com/data

2 www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1461670X.2018.150087 und medium.com/@arickamd/photojournalism-and-women-getting-to-the-root-of-gender-imbalance-9f5373b48d41

3 the-journal.org

Themen:
junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 07.03.2026, Seite 4, Fotoreportagen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!