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Aus: Ausgabe vom 04.03.2026, Seite 16 / Sport
Baseball

Einreise verweigert

Das »Who’s who« im internationalen Baseball tritt ab Donnerstag bei der sechsten WBC-Auflage an. Team Kuba sieht sich Schikanen der US-Regierung ausgesetzt
Von Bernhard Krebs
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Cal Raleigh von den Seattle Mariners

Am Donnerstag (Ortszeit) startet im Tokio Dome mit der Begegnung zwischen den Außenseitern Taiwan und Australien die sechste Ausgabe der World Baseball Classic (WBC), der Weltmeisterschaft der Nationalmannschaften. Insgesamt 20 Teams haben sich für die Weltspiele des Baseball in Tokio (Japan), San Juan (Puerto Rico) sowie in Houston und Miami (beide USA) qualifiziert. Neben den bereits genannten Teams nehmen noch Titelverteidiger Japan und Südkorea aus Fernost teil. Mit Brasilien – das sich vor einem Jahr bei einem Qualifikationsturnier im entscheidenden Spiel mit 6:4 gegen die Auswahl der BRD durchsetzte (jW berichtete) – Kolumbien, Panama, Kuba, der Dominikanischen Republik, Mexiko, Venezuela, Nicaragua und Puerto Rico stammt das Gros des Teilnehmerfelds aus Lateinamerika, wo Baseball eine der populärsten Sportarten ist. Aus dem europäischen Baseball- und Softball-Verband (WBSC Europe) nehmen neben Europameister Niederlande auch Großbritannien, Tschechien, Italien und Israel teil, die allesamt als Außenseiter antreten. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld schließlich von Kanada und den USA.

Der Titelträger von 2017 und derzeitige Vizeweltmeister aus den USA, wo das Turnier nach der dramatischen Finalniederlage gegen Japan 2023 einen enormen Popularitätsschub erfahren hat, bringt in diesem Jahr eine Art »Dream Team« an den Start. Der US-Kader ist wie noch nie mit MLB-Topstars gespickt. Angeführt wird die Truppe von Kapitän und Outfielder Aaron Judge, dem amtierenden MVP der »American League« in der nordamerikanischen Profiliga »Major League Baseball« (MLB). Als Catcher wurde Cal Raleigh von den Seattle Mariners aufgestellt, der 2025 mit 60 Homeruns einen neuen Rekord für Catcher aufstellte. Kyle Schwarber von den Philadelphia Phillies komplettiert als »Desig-nated Hitter« (DH) ein Power-Trio, das in der zurückliegenden MLB-Saison ganze 169 Homeruns wert war und bei der WBC seinesgleichen sucht. Auch auf der anderen Seite des Balls sind die USA mit Tarik Skubal von den Detroit Tigers und Paul Skenes von den Pittsburgh Pirates bestens aufgestellt. Beide wurden 2025 mit den Cy Young Awards ausgezeichnet, der jeweils höchsten Auszeichnung für Pitcher in »National League« und »American League«. Dennoch landeten die USA nur auf Platz zwei in einem am Montag von mlb.com veröffentlichten »Power Ranking«. Topfavorit ist demnach Japan, das bereits drei Mal die WBC gewinnen konnte. Im Kader stehen neben Shohei Ohtani (DH) und Pitcher Yoshinobu Yamamoto – dem wertvollsten Spieler (MVP) der letztjährigen »World Series« – gleich zwei Leistungsträger vom amtierenden MLB-Meister Los Angeles Dodgers. Ein Auge sollten Baseballaficionados auch auf Infielder Munetaka Murakami werfen, der 2022 im Dienste der Tokio Yakult Swallows mit 56 Homeruns einen japanischen Ligarekord aufstellte. Nach seiner Verpflichtung im Dezember durch die Chicago White Sox wird Murakami in der kommenden Saison erstmals in der MLB auflaufen.

Zum Kreis der Favoriten zählen sicher auch die Dominikanische Republik und Venezuela, das 2023 zu einem der aufregendsten Teams zählte. Bis ins Viertelfinale unbesiegt, schenkte Venezuela eine 7:5-Führung im achten Inning noch her und unterlag den USA 7:8. Zu den herausragenden Spielern zählen in diesem Jahr neben Outfielder Ronald Acuña Jr. (Atlanta Braves), der 2023 MVP der National League war, auch Catcher William Contreras von den Milwaukee Brewers und Pitcher Ranger Suárez, der im Januar von den Boston Red Sox verpflichtet wurde. Die Dominikanische Republik schickt derweil mit Outfielder Julio Rodríguez (Seattle Mariners) und First Baseman Vladimir Guerrero Jr. (Toronto Blue Jays) auch New-York-Mets-Superstar, Outfielder Juan Soto ins Rennen. Manager des Weltmeisters von 2013 ist Albert Pujols, der 2022 seine MLB-Karriere beendete. »La Máquina« versteht was vom Baseballhandwerk, schlug in seiner Karriere sagenhafte 703 Homeruns und konnte insgesamt 2.218 Runs aufs Punktbrett schlagen, womit er in der ewigen Bestenliste nur hinter der 2021 im Alter von 86 Jahren verstorbenen Baseballegende Henry Louis »Hank« Aaron liegt. Chancen auf den Titel haben zudem auch die Teams aus Mexiko, Puerto Rico und Südkorea.

Team Kuba, das nach einer 10:6-Finalniederlage gegen Japan bei der ersten WBC 2006 Vize-Weltmeister wurde, kämpft derweil mit Schikanen der US-Regierung. Laut dem Onlineauftritt von Granma verweigerte Washington am 24. Februar acht Delegationsmitgliedern die Einreise in die USA. Betroffen sind demnach unter anderem der Präsident und der Generalsekretär des Kubanischen Baseball- und Softball Verbands FCBS, Juan Reinaldo Pérez Pardo und Carlos del Pino Muñoz. Zudem wurde dem Pitching-Coach Pedro Luis Lazo Iglesias, der in Kuba den Status einer Sportlegende hat, die Einreise verweigert.

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