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Aus: Ausgabe vom 04.03.2026, Seite 15 / Antifaschismus
Britischer Faschist auf Tour

Mr. Robinson geht nach Washington

Britischer Ultranationalist auf Einladung eines Regierungsberaters im US-Außenministerium
Von Marc Bebenroth
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Stephen Yaxley-Lennon, alias Tommy Robinson, vor dem Westminster Magistrates’ Court in London (4.11.2025)

Er sei über den Atlantik geflogen, um »Allianzen und Freundschaften« zu schließen. Auf Einladung eines Beraters des US-Außenministeriums reiste der unter seinem Alias Tommy Robinson bekannte britische Ultranationalist und antimuslimische »Aktivist« Stephen Yaxley-Lennon in die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Am Mittwoch vergangener Woche traf er sich dort mit Joe Rittenhouse, der für das Büro für konsularische Angelegenheiten tätig ist, und dem Kongressabgeordneten Randall »Randy« Fine aus Florida. »Es ist mir eine Ehre, den Verfechter der Meinungsfreiheit (Tommy Robinson, jW) heute im Außenministerium begrüßen zu dürfen«, teilte Rittenhouse am selben Tag auf seinem X-Profil mit. »Die Welt und der Westen« seien ein besserer Ort, »wenn wir für die Meinungsfreiheit kämpfen«. Niemand habe sich dafür mehr »an vorderster Front eingesetzt« als der vorbestrafte frühere Anführer der britisch-faschistischen Straßenschlägerbande »English Defence League«.

Offiziell habe Robinson das Ministerium »inoffiziell im Rahmen einer heutigen Rundreise« besucht, teilte ein Sprecher gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am 25. Februar schriftlich mit. Er gab demnach keine Antwort auf Fragen dazu, mit wem der Brite sich noch getroffen hatte, was mit ihm besprochen worden und was der Zweck seines Besuchs gewesen war. Auf den Fotos, die Rittenhouse auf X teilte, ist Robinson zu sehen, wie er die ausgestellten Objekte im John Quincy Adams State Drawing Room – benannt nach dem sechsten Präsidenten der USA (1825–1829) – des Ministeriums begutachtet. Dabei handelt es sich um einen der diplomatischen Empfangsräume, in dem Sammlungen und Meisterwerke aus der Zeit von 1788 bis 1800, der sogenannten Federalist Era, ausgestellt sind.

Das Treffen mit dem Politiker aus Florida, wo sich mit Miami das Zentrum der antikubanischen und anderer Contra-Netzwerke befindet und wo mit Gouverneur Ron DeSantis ein faschistoid auftretender Republikaner die Regierung anführt, nutzte Robinson offenbar für ein Interview. Darin hetzte Fine, passend zur Zielgruppe von Robinson, gegen den Islam und das islamische Rechtssystem, die Scharia, wie die Financial Times am Donnerstag online berichtete. Das Finanzblatt wies darauf hin, dass die Nationale Sicherheitsstrategie der US-Regierung von Machthaber Donald Trump explizit das Risiko »zivilisatorischer Auslöschung« in Europa thematisiere. Vor diesem Hintergrund kann die Einladung eines Regierungsberaters an Robinson tatsächlich als das Festigen von alternativen transatlantischen Beziehungen gedeutet werden.

Zuvor hatte das Blatt berichtet, dass das US-Außenministerium plane, mit der Trump-Basisbewegung »MAGA« sympathisierende Thinktanks und Wohltätigkeitsorganisationen in Europa zu finanzieren, um Washingtons Propaganda zu Angriffen auf die Meinungsfreiheit zu untermauern. Tatsächlich hatten ranghohe Regierungsvertreter wie Vizepräsident J. D. Vance wiederholt einen Mangel an Meinungsfreiheit in der EU offen beklagt – und meinen damit die politische Verfolgung von Rechtsaußenparteien.

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