Traditionshersteller Zekiwa in der Krise
Von Gudrun GieseDer anhaltende Geburtenrückgang soll mitverantwortlich sein für die Insolvenz des traditionsreichen Kinderwagenherstellers Zekiwa aus dem Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt. Am Montag berichtete die Mitteldeutsche Zeitung über die Krise beim ehemals europaweit größten einschlägigen Produzenten »VEB Zeitzer Kinderwagenindustrie« (Zekiwa), dessen Ursprünge auf den Stellmacher Ernst Albert Naether zurückgehen, der 1846 erste Kinderwagen in seiner Werkstatt herstellte. Seine Erfindung sorgte dafür, dass Kinderwagen zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand wurden. Zu DDR-Zeiten fertigten 2.200 Beschäftigte in Zeitz pro Jahr bis zu 450.000 Kinder- und 160.000 Puppenwagen für den gesamten RGW-Raum, aber auch den westdeutschen Neckermann-Konzern. Zekiwa wurde später Bestandteil des »VEB Kombinat Sportgeräte Germina Schmalkalden«. Die Marke blieb weiter populär und nachgefragt, wobei in den 1990er Jahren bereits sehr viele Arbeitsplätze gestrichen, der Firmensitz nach Döschwitz und die Produktion in osteuropäische Länder verlagert wurden.
Die Übernahme der Marke Zekiwa Anfang 2023 durch neue Eigentümer sollte mit einer Rückkehr zu mehr regionaler Herstellung am Ursprungsstandort Zeitz einhergehen, wie damals angekündigt wurde. Viel wurde daraus nicht. Wegen steigender Kosten und zugleich sinkender Umsätze musste nun Insolvenz beantragt werden. Der Geschäftsbetrieb läuft unterdessen weiter, die Unternehmensleitung wolle nach Investoren etwa für den Onlinehandel suchen, meldete der MDR. Zekiwa ist mittlerweile mit dem Firmensitz in Döschwitz bei Zeitz, mit Vertrieb und Entwicklung in Kretzschau im Burgenlandkreis angesiedelt. Die Produktion findet weiter vorwiegend in Osteuropa statt. Vor allem den anhaltenden Geburtenrückgang nannte die Geschäftsleitung laut Mitteldeutscher Zeitung als ursächlich für den Umsatzrückgang. Der Wirtschaftsanwalt Nico Kämpfert von der Magdeburger Innovatis Restrukturierung GmbH soll jetzt die Investorensuche voranbringen.
Noch 2024 hatte Zekiwa-Marketingchef Matthias Matz Aufbruchstimmung verbreitet und mitgeteilt, dass Teile des Kinderwagenmodells »Litus« in Zeitz hergestellt würden. Zwei Beschäftigte einer privaten Näherei fertigten demnach die Stoffe für die Wagen. Die Wanne für »Litus« stellte nach Unternehmensangaben ein Korbmacher in Franken aus einheimischer Weide her. Die Endmontage der in Handarbeit gefertigten edlen Einzelstücke fand in Döschwitz statt. Für den Massenmarkt taugte dieser Kinderwagen allerdings kaum, zumal es an hochpreisigen Konkurrenzprodukten etwa von Hartan, Britax-Römer und anderen Herstellern nicht mangelt.
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