Authentischer Typ des Tages: Mario Voigt
Von Nico Popp
Mario Voigt ist sicher der authentischste Ministerpräsident, den Thüringen hatte, seit Josef Duchač 1992 von den eigenen Leuten hingemeuchelt wurde. Vogel und Ramelow waren Westimporte, die niemand bestellt hatte, Althaus ein unheimlicher Mathelehrer aus dem Eichsfeld, Lieberknecht eine aus Versehen in die Politik geratene Pastorin – Nikita Chruschtschow hätte als Großherzog von Luxemburg in allen Fällen besser funktioniert.
Voigt dagegen ist echt. Unvergessen, wie er 2024 mit einem lässigen »Ne, Sie haben Mett gesagt« den – natürlich – Wessi Höcke als solchen bloßstellte und in den Staub warf, als der in einem TV-Duell eine ungelenke Attacke zu reiten versuchte und bei der Schilderung der bürokratischen Bedrängnisse eines fiktiven »Eisenacher Fleischermeisters« das Wort »Mettbrötchen« verwendete. Voigt grinsend: »In Thüringen heißt es Gehacktes.« Das saß! Und dazu dieser klare Fokus auf die Bratwurst: 104 Stück davon habe er den letzten Sommer über verspeist, ließ Voigt, der Wirkung gewiss, im vergangenen Jahr in einem Interview fallen. Hut ab, das schafft (und überlebt) nicht jeder.
Hätte Voigt seit jeher nur auf diese Sorte Volkstümlichkeit gesetzt und nicht auch noch diesen verdammten Doktortitel haben wollen – er hätte, sollte ihn der demonstrative Verzehr von Bratwürsten nicht jäh hinwegraffen, Aussichten, jahrzehntelang zu regieren. Nun funkt diese leidige Plagiatsaffäre dazwischen. Höcke holt – »konstruktives Misstrauensvotum« am 4. Februar – zum Schlag aus, um sich für die Mett-Affäre zu revanchieren, und alle wissen jetzt, dass Voigt seine Dissertation über den US-Präsidentschaftswahlkampf von 2004 geschrieben hat. Das klingt eigentlich zu dürftig, um auch nur für eine Hauptseminararbeit zu taugen. Und oben drauf dann auch noch der Stempel der rechtskonservativen Titelmühle von Eckhard Jesse an der TU Chemnitz – das ist schon hart. Im kommenden Sommer sind 200 Bratwürste fällig.
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