Werden die Gebäudereiniger streiken?
Interview: Gitta Düperthal
Vergangene Woche ließ der Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks, BIV, die Verhandlungen mit der IG BAU über eine Jahressonderzahlung platzen. Damit haben sie also abgelehnt, ein 13. Monatsgehalt zu zahlen?
Genau. Schon vor zehn Jahren hatten wir Weihnachtsgeld gefordert, seither immer wieder erneut. Das hatten die Arbeitgeber damals abgelehnt. Die Beschäftigten in der Gebäudereinigung wollen aber unbedingt eine Jahressonderzahlung, wie sie bereits in ganz vielen Branchen im Tarifvertrag steht. Für uns steht fest: Wir wollen mehr Geld für unsere Kolleginnen und Kollegen. Die Arbeitgeber des BIV wussten das schon seit den Verhandlungen am 24. November 2025. Die weitere Verhandlung wäre für den 5. Februar angesetzt gewesen. Am Montag kam dann die komplette Absage des Verbands. Sie wollen gar nichts geben.
Die IG BAU hatte sogar einen Kompromiss angeboten.
Ja. Wir fordern diese Zahlung nicht für alle im Gebäudereinigerhandwerk mit fast 700.000 Beschäftigten, sondern nur für unsere Gewerkschaftsmitglieder. Wir hatten sogar offene Verhandlungen angeboten, ein Einstieg in eine Jahressonderzahlung ist für uns jedoch weiterhin unverzichtbar.
Es gibt seitens des Bundesinnungsverbands keinerlei Bereitschaft dazu. Man stellt sich stur – warum?
Es gebe keinen finanziellen Spielraum, behaupten die Arbeitgeber. Eine solche Zahlung sei den Kunden angeblich nicht zu erklären. Wir von der IG BAU hatten sogar angeboten, zu helfen und deren Kunden, die Firmen der Gebäudereinigung, anzuschreiben. Auch das lehnten die Arbeitgeber des BIV ab. Sie hat es nie interessiert, wie es den Beschäftigten geht, wie deren Lebenssituation ist. Sie haben nur gejammert, sie hätten kein Geld zu verteilen, ihre Kunden könnten nichts zahlen. Stimmt nicht! Wenn aktuell von Insolvenzen die Rede ist, sind Unternehmen der Gebäudereinigung nahezu nicht betroffen. Bei deren Jahresabschlussberichten Ende Dezember 2025 gab es Jubel. Ob Wisag oder Piepenbrock: Führende Akteure der Branche verzeichnen Umsatzsteigerung. Sie verlieren keine Aufträge, wie behauptet.
Werden die Gebäudereiniger in den Streik treten?
Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben sind richtig sauer. Sie hatten sich fest darauf verlassen, dass es jetzt endlich einen Einstieg in die Sonderjahreszahlung geben würde. Wir werden diskutieren, ob die Belegschaften bereit sind zu kämpfen. Das Thema bleibt auf dem Tisch. Wo auch immer wir in den Betrieben vor Ort sind, hören wir, dass sich die Beschäftigten schlecht behandelt fühlen. Seitens einzelner Betriebsleitungen heißt es sogar, anders als von der Innung behauptet: »Ja, wir würden ja etwas geben.« Wenn es so weitergeht, machen wir eben Tarifverträge mit diesen Firmen. Es kann nicht sein, dass es neben dem Stundenlohn kein Geld für die Arbeitsleistung der Beschäftigten gibt. Wir bleiben dran.
Die Branche reicht von Fenster-, Fassaden-, Bau- und Unterhaltsreinigung bis zum Hausmeisterservice. Wie sind denn die Arbeitsbedingungen?
Hart! Auch wenn auf großen Flächen Maschinen eingesetzt werden, ist es meist schwere körperliche Arbeit. Leistung wird von den Kolleginnen und Kollegen in so wenig Zeit wie möglich abverlangt. Sie müssen in Randzeiten arbeiten: bevor die Angestellten in den Betrieb kommen oder danach. Wir fordern deshalb, dass die Reinigungskräfte endlich sichtbar werden müssen.
Das heißt Leistungsdruck, wenig Zeit und wenig Geld?
Die Angestellten in der Lohngruppe 1 (Innen-/Unterhaltsreinigung) – etwa 70 Prozent der Beschäftigten der Branche – erhalten 15 Euro brutto ab 1. Januar 2026. Schaut man sich den Anstieg von Preisen und Miethöhe an, ist das verflucht wenig. Der Mindestlohn ist 13,90 Euro. Die Beschäftigten sorgen dafür, dass Schulen, Krankenhäuser, Büros und öffentliche Einrichtungen hygienisch und sicher bleiben. Sie haben diese Zusatzzahlung verdient, als Wertschätzung ihrer Arbeit.
Ulrike Laux ist Bundesvorstandmitglied der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt sowie Verhandlungsführerin in der Gebäudereinigung
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