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Aus: Ausgabe vom 28.01.2026, Seite 16 / Sport
Ski alpin

Die Welt verschwindet

Attraktives Spektakel: Nachtslalom der Herren im österreichischen Skisportzentrum Schladming
Von Gabriel Kuhn
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Was Flutlicht kann, kann nur Flutlicht

An diesem Mittwoch findet zum 29. Mal der Nachtslalom der Herren im österreichischen Skisportzentrum Schladming statt – oder das »Nightrace«, wie es werbetauglicher heißt. Es ist das meistbesuchte Rennen der alpinen Weltcupsaison, bis zu 50.000 Menschen drängen sich am Hang. An Drama fehlt es nicht: 1999 katapultierte sich der Österreicher Benni Raich im zweiten Durchgang von Rang 23 noch auf Platz eins, 2016 fädelte Felix Neureuther auf dem Weg zum Sieg im Steilhang ein und blieb minutenlang im Schnee sitzen, und 2018 wurde der Norweger Henrik Kristoffersen mit Schneebällen beworfen, als er es wagte, den Nationalhelden Marcel Hirscher herauszufordern.

Nachtslaloms stehen im alpinen Skiweltcup seit 1997 im Programm, Schladming machte den Anfang. Die Events sollten ein breiteres Publikum ansprechen. Einige solcher Versuche scheiterten kläglich, allen voran die zum »City Event« aufgebauschten, sportlich völlig wertlosen Parallelslaloms. Sie gibt es mittlerweile zum Glück nicht mehr. Die Nachtslaloms jedoch eroberten die Herzen der Zuschauer. Das Flutlicht, im Fußball sagenumwoben, verfehlt auch im Skirennsport nicht seine Wirkung. Alle Augen richten sich auf die Athleten, die Welt um sie herum verschwindet. Zudem wird es möglich, Rennen auch an einem gewöhnlichen Arbeitstag gemütlich zu verfolgen, vor Ort oder vor dem Fernseher. Diese Rechnung des Internationalen Skiverbandes FIS ging auf.

Neben dem Nachtslalom in Schladming Ende Januar haben sich zwei weitere im Weltcupprogramm etabliert: einer für die Damen in Flachau und ein weiterer für die Herren in Madonna di Campiglio. Beide werden Anfang Januar ausgetragen.

Das diesjährige Rennen in Schladming hat besonderen Stellenwert. Es ist der letzte Weltcupslalom vor den am 6. Februar beginnenden Olympischen Winterspielen. Gleichzeitig ist es bereits der neunte Saisonslalom; nach Olympia stehen nur noch zwei weitere an.

Der Slalom ist seit dem Rücktritt des achtfachen Gesamtweltcupsiegers Marcel Hirscher 2019 die spannendste Disziplin im Herrenweltcup. In den anderen drei (Riesenslalom, Super-G, Abfahrt) dominiert seit Jahren der Schweizer Marco Odermatt, der in Hirschers Fußstapfen wandelt. Odermatt gewann den Gesamtweltcup der vergangenen vier Jahre, und auch heuer kann ihm die Kugel kaum noch jemand streitig machen. Den Slalomweltcup hingegen gewannen in den vergangenen fünf Jahren vier verschiedene Läufer. Nur Henrik Kristoffersen schlug zweimal zu. Ein ähnliches Bild bietet die diesjährige Saison: Die bisherigen acht Saisonslaloms wurden von sechs verschiedenen Läufern gewonnen, nur der Norweger Atle Lie McGrath und der französische Shootingstar Paco Rassat konnten sich zweimal in die Siegerliste eintragen. Insgesamt elf Athleten kamen auf einen Podestplatz, darunter der Finne Eduard Hallberg oder der Belgier Armand Marchant. In der Slalomweltcupwertung liegen zwischen dem in Führung liegenden Lucas Pinheiro Braathen, der im Vorjahr vom norwegischen zum brasilianischen Skiverband wechselte, und Paco Rassat als Fünftem lediglich 43 Punkte. Zwischen den beiden belegen Clément Noël, Atle Lie McGrath und Timon Haugan die Ränge zwei bis vier.

Linus Straßer (TSV 1860 München) ist seit Jahren der beste Slalomfahrer des Deutschen Skiverbandes (DSV). Die diesjährige Saison war bisher eher verkorkst, in der Slalomweltcupwertung liegt Straßer momentan nur auf Rang zwölf. Doch ausgerechnet in Kitzbühel, wo er einst das Skifahren lernte, gelang ihm am vergangenen Sonntag der unerwartete Sprung auf das Podest. Als Dritter lag er nur hinter dem konstanten Schweizer Loïc Meillard und dem Österreicher Manuel Feller, der sich mit seinem Sieg ebenfalls aus einer Krise fuhr.

Schladming ist für Straßer ein gutes Pflaster. 2022 und 2024 konnte er das Nightrace gewinnen. Im Vorjahr führte er nach dem ersten Durchgang, fiel dann jedoch auf Rang vier zurück, wofür er die Kurssetzung seines eigenen Trainers Stefan Kogler verantwortlich machte. Es kam zu einer Debatte im DSV. Mag heuer kein deutscher Trainer den zweiten Lauf stecken.

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