Für Aleida, für Kuba
Von Nick Brauns
Auf der 31. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz am 10. Januar in Berlin wurde es bereits unter begeistertem Applaus verkündet: Mit dem Rosa-Luxemburg-Preis wird in diesem Jahr die kubanische Ärztin und Internationalistin Aleida Guevara ausgezeichnet.
Aleida Guevara ist seit vielen Jahrzehnten eine wichtige international vernehmbare Stimme des sozialistischen Kuba. Sie ist in ihrem praktischen Wirken – nicht zuletzt als Ärztin – Verteidigerin der Werte der kubanischen Revolution. Die Tochter des Revolutionärs Ernesto Che Guevara ist eine glühende Internationalistin, die ebenso entschlossen für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser eintritt, wie sie gegen imperialistische Kriege Stellung bezieht.
Mit dem Rosa-Luxemburg-Preis zeichnen die Tageszeitung junge Welt und das Kulturmagazin Melodie & Rhythmus fortschrittliche Künstler, Wissenschaftler, Aktivisten und Politiker für ihr internationalistisches, klassenkämpferisches, antimilitaristisches und aufklärerisches Engagement aus. Erster Preisträger war im vergangenen Jahr der Schauspieler, Gewerkschafter und Kommunist Rolf Becker, der vergangenen Monat im Alter von 90 Jahren in Hamburg verstorben ist. »Dieser Preis gehört euch allen«, hatte Becker bei der Entgegennahme der Auszeichnung – einer vom Bildhauer Rolf Biebl gefertigten Rosa-Luxemburg-Statuette – im April 2025 erklärt. »Denn nicht einzelne können Bewegungen auslösen, sondern umgekehrt bewegen die Massen den einzelnen, der versucht, das zu formulieren und weiterzutragen.«
Dies gilt ebenso für Aleida Guevara, die den Preis stellvertretend für das widerständige kubanische Volk entgegennehmen wird, das seit sechs Jahrzehnten der US-Blockade trotzt und an seinem sozialistischen Weg festhält.
Doch heute ist Kuba wohl so gefährdet wie seit der 1961 unter der Führung Fidel Castros zurückgeschlagenen US-Invasion exilkubanischer Söldner in der Schweinebucht nicht mehr. Die US-Regierung arbeite gezielt auf einen Sturz der sozialistischen Regierung hin – noch in diesem Jahr, meldete das Wall Street Journal am Donnerstag. So wurde die Blockade Kubas von US-Präsident Donald Trump und dem Exilkubaner Marco Rubio als Außenminister weiter verschärft. Mit der Kaperung von Tankschiffen und dem mit der Verschleppung von Präsident Nicolás Maduro verbundenen Griff nach Venezuelas Öl schneiden die USA Kuba von seinem wichtigsten Energielieferanten ab. Antiimperialistische Solidarität mit Kuba ist jetzt mehr denn je gefordert.
Die Verleihung des Rosa-Luxemburg-Preises findet am Sonnabend, dem 11. April, im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz statt. Bereits ab 13 Uhr wird es dort eine Konferenz zur Solidarität mit Kuba und den Völkern Lateinamerikas geben. Als Referenten oder Podiumsteilnehmer werden unter anderem die kubanische Journalistin Liz Oliva Fernández, der Direktor der Zeitschrift Revolución y Cultura des Kubanischen Kulturministeriums Enrique Ubieta Gómez sowie Franco Cavalli von der medizinischen Solidaritätsvereinigung Medicuba aus der Schweiz erwartet, zudem wird der Liedermacher Nicolás Miquea auftreten. Karten für die Konferenz und die Preisverleihung sind im jW-Shop erhältlich.
»Mein Vater ist der Mensch, der mir beigebracht hat, mit Würde zu leben«
Sie ist Kinderärztin, Politikerin und Kommunistin – vor allem aber Internationalistin. Aleida Guevara, Tochter des Revolutionärs Ernesto »Che« Guevara, steht ihrem berühmten Vater in der Praxis internationaler Solidarität in nichts nach. Sie ist zugleich Erbin eines politischen Vermächtnisses: Che Guevara war ein Mann, der die Revolution nicht nur auf den Lippen trug, sondern im Herzen, um für sie zu sterben, wie er einst sagte. Mit gerade einmal sieben Jahren verlor Aleida Guevara 1967 ihren Vater, der im Guerillakampf in Bolivien ermordet wurde. In einem Abschiedsbrief an seine Kinder schrieb er die so oft zitierten Zeilen: »Vor allem aber seid immer tief in euch in der Lage, Ungerechtigkeit aufzuspüren, gegen wen auch immer, egal wo auf der Welt. Das ist das Beste, was ein Revolutionär tun kann.« – Dieser Satz ist für Aleida Guevara Leitlinie in ihrem Leben und Wirken.
Ein Jahr nach dem Triumph der kubanischen Revolution 1959 wurde Aleida Guevara als Tochter zweier Revolutionäre geboren. Ihre Mutter Aleida March hatte Che Guevara während des Guerillakrieges in Kuba kennengelernt. Nach dem Sieg der Revolution übernahm Che zentrale Funktionen im neuen Staat, unter anderem als Präsident der kubanischen Nationalbank und als Industrieminister. Aleida wuchs daher überwiegend bei ihrer Mutter auf. In Interviews erinnert sie sich an die gemeinsamen Tage mit ihrem Vater, insbesondere an die freiwillige Arbeit, an der Che selbst regelmäßig teilnahm. Während er seine Sonntage bei der Zuckerrohrernte verbrachte, saß Aleida an seiner Seite. Nach dem frühen Tod des Vaters, so betont sie, sei es vor allem ihrer Mutter zu verdanken, dass auch sie zur Revolutionärin wurde und ihren eigenen Beitrag zur kubanischen Revolution leistete. Aleida March habe stets darauf bestanden, dass ihre Tochter wie jedes andere kubanische Kind aufwachse – ohne Privilegien, die sich aus der Berühmtheit ihres Vaters ergaben.
Aleida Guevara ist das älteste der vier gemeinsamen Kinder von Che Guevara und Aleida March. Zudem hat sie eine Halbschwester aus Ches erster Ehe mit der Peruanerin Hilda Gadea. In ihrem Vorwort zur 2021 erschienenen Briefsammlung ihres Vaters schreibt sie, Che habe seine revolutionären Hoffnungen vor allem auf seinen jüngsten Sohn Ernesto Guevara March gesetzt. Als Kind habe sie das verletzt, heute habe sie ihm vergeben. Ihr Vater, so betont sie, habe sie dennoch stets im Herzen getragen.
Heute ist es Aleida Guevara, die das revolutionäre Erbe entschieden weiterträgt. Sie engagiert sich nicht nur in Kuba als aktive Stimme der Zivilgesellschaft, sondern kämpft auch international für Gerechtigkeit und Befreiung – nicht allein mit Worten, sondern durch konkretes Handeln. Auf die Frage von Breakthrough News, warum sie sich für den Beruf der Ärztin entschieden habe, antwortete sie schlicht: »Ich tue es, weil ich Kubanerin bin.« Kaum ein anderer Beruf, so ihre Überzeugung, verpflichte stärker dazu, die zentralen Werte der Revolution zu verkörpern: Solidarität und Liebe.
In einem Gespräch mit der britischen Cuba Solidarity Campaign äußerte sie ihren Stolz auf die internationalistische Ärztebrigade »Henry Reeve«. Auch selbst war sie als Medizinerin an zahlreichen Auslandseinsätzen beteiligt, unter anderem in Angola, Ecuador und Nicaragua.
In einem Interview mit Cubasí.cu schilderte Aleida Guevara die Erschütterung ihres Vaters angesichts der Vertreibung der Palästinenser: »Mein Vater ging 1959 nach Palästina. Als er eintraf, erklärten die palästinensischen Führer die Lage. Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass dies ein neues Problem ist. Tatsächlich waren die Palästinenser bereits aus ihrem Land vertrieben worden. Sie wurden gezwungen, aus ihren Gebieten auszuwandern. Der Großteil des Gazastreifens war voller Menschen. Papa wollte dieses Leiden nicht sehen. (…) Heute kämpft das palästinensische Volk für das Recht, sein eigenes Land und seine eigene Kultur zu besitzen.«
Heute ist Aleida Guevara selbst eine laute Stimme der kubanischen Solidaritätsbewegung mit dem palästinensischen Volk. Sie wirkt als Botschafterin der Global Campaign to Return to Palestine. Im März 2024 machte sie bei einem Forum der Universität Academia de Humanismo Cristiano in Chile gemeinsam mit dem Enkel Nelson Mandelas auf den andauernden Genozid in Gaza aufmerksam.
Angesichts der anhaltenden US-Aggressionen in Lateinamerika wächst auch in Kuba die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Im antiimperialistischen Kampf berufen sich Kommunisten weltweit bis heute auf den großen Revolutionär Che Guevara. Doch auch die Gegenwart verlangt nach Persönlichkeiten, die die Werte der kubanischen Revolution nicht nur beschwören, sondern leben. Eine von ihnen ist Aleida Guevara. In Zeiten zunehmender imperialistischer Konflikte zeigt sie sich kämpferisch: »Habe ich Hoffnung für die Menschheit? Keiner von uns hat eine Kristallkugel, aber wenn wir eine andere Welt wollen, müssen wir daran arbeiten, sie zu erreichen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass sie vom Himmel fällt. Wir haben die Pflicht, diese Zukunft selbst zu gestalten.« Kurt Terstegen
Kurt TerstegenFriedenspropaganda statt Kriegsspielzeug
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