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Aus: Ausgabe vom 19.01.2026, Seite 16 / Sport
Boxen

Eine Liga für alle

Der Weltverband WBU plant eine deutsche Bundesliga für unterschiedliche Boxsportarten. Ein Disziplinmix soll mehr Publikum und Sponsoren anlocken
Von Oliver Rast
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Masterboxen – Gestandene ältere Herren am Werk: Peter Frohn-Lux (l.) clincht mit Exweltmeister Fırat Arslan

Das Label schillert: Boxbundesliga. Und trügt zugleich. Denn erst kürzlich hatte der Deutsche Boxsportverband (DBV) die neue Saison abgesagt. Mangels Teams, mangels Terminlücken. Eine Absage mit Ansage. In den vergangenen Jahren bestand die Liga aus drei, vier Vereinen. Mehr nicht. Ein Miniaturformat, die Karikatur einer Bundesliga.

Nun gibt es einen neuen Anlauf. Nicht vom olympischen DBV, nein, von einem kleineren professionellen Weltverband, der World Boxing Union (WBU) mit Sitz im niedersächsischen Coppenbrügge im Landkreis Hameln-Pyrmont. Ideen- und Stichwortgeber ist deren Präsident Torsten Knille. Der Beschluss des DBV habe in seinen Überlegungen aber keine Rolle gespielt, so der WBU-Chef im jW-Gespräch. Man wolle auch niemandem »etwas wegnehmen«.

Bereits vor Jahren habe er an einem Konzept für einen Ligabetrieb gefeilt. Organisatorische Planspiele weiterentwickelt, zwischendurch abgelegt im gedanklichen Hinterstübchen, in der heimischen Schublade – aber immer griffbereit, immer in Reichweite. »Wir haben vor einigen Tagen das Konzept released, öffentlich gemacht.« Zuvor saßen die Protagonisten zusammen, in Wadersloh. Dort, wo der Verband seine Deutsche Meisterschaft für den Semipro-Bereich austrägt, für die Amateurboxer.

Bloß, was haben Knille und seine Mitstreiter vor? Sie wollen eine Bundesliga für alle Boxsportdisziplinen in Deutschland etablieren. Auf lange Sicht jedenfalls. Eine Liga mit Nord- und Südstaffel. Eine zweigleisige Bundesliga mit jeweils einem Team aus den 16 Bundesländern, also zwei Achterliegen – gewissermaßen ein Wettkampfvergleich der Bundesländer, eine bundesweite Landesliga eben.

Mehr noch, ein Format, das Profiboxen, Semipro-Boxen, Kickboxen, Masterboxen (Ü 35), aber auch Bare-Knuckle an einem Kampfabend vereint, alle »Spielarten« des Boxsports im Stehkampf. Das klingt nach einem Veranstaltungsmarathon. Sowohl was die einzelne Fightnight betrifft als auch die Saisondauer. Knille beruhigt: »Wir machen nur eine Hinrunde ohne Rückkämpfe.« Sonst ließe sich das Programm nicht binnen eines Kalenderjahres absolvieren. Außerdem: Je Kampfabend stehen maximal acht Wertungsfights an.

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Ein professioneller Weltverband, der die bundesdeutsche Boxszene mit einem neuen Format aufmischen will

Kurzum, die WBU-Boxbundesliga ist ein spannender Mix. Ein Ligabetrieb, mit dem ein breites Publikum, verschiedene Zuschauergruppen angesprochen werden sollen, sagt Knille. Attraktiv sei das auch für Sponsoren und ihre jeweilige Klientel. Und was passiert zum Saisonabschluss? Knille: »Ein schönes Bundesfinale, der Erste der Bundesliga Nord boxt gegen den Erstplazierten der Südstaffel den deutschen Mannschaftsmeister aus.«

Klar, anfangs werde es keine Toplevelevents in ausverkauften großen Stadthallen geben. Eher Galas in Sportzentren oder Hausgalas in Gyms. »Unser Projekt ist ein Prozess, es muss einfach wachsen«, betont der umtriebige WBU-Präsident. Hinzu kommt: Die geplante Liga steht nicht ganz oben auf der Agenda. Im Hauptfokus des Verbands ist und bleibt Profiboxen – auf allen Kontinenten, betont Knille.

Aber wann fällt der erste Gong, wann soll es mit der deutschen Liga losgehen? »Ein Zeitlimit haben wir uns nicht gesetzt«, so Knille. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, ein personelles Netzwerk an Bundes- und Landesmanagern werde gerade enger und enger geknüpft. An vorderster Front dabei: Peter Frohn-Lux. Der 62jährige ist WBU-Weltmeister im Masterboxen – und Bundesteammanager Nord für die Liga. Nun müssten final Regelwerk und Ligastruktur abgestimmt werden, erzählt er auf jW-Nachfrage. Zudem würden die Verantwortlichen und Koordinatoren der Regionen bzw. der Bundesländer benannt. Die registrierten dann verbindlich Ligateams und planten das Matchmaking. Ja, und anschließend könnten Pilotveranstaltungen bzw. Auftaktevents über die Bühne gehen, »um die Abläufe sauber einzuspielen.«

Erwartbar: Erste kritische Stimme melden sich zu Wort. Der Mischmasch an Disziplinen würde eine Veranstaltung überfrachten. Das Bundesländermodell sei zu kleinteilig. Nord und Süd, Ost und West reiche. Ferner gebe es rechtliche Hürden. Bare-Knuckle etwa muss vielerorts seitens der Behörden genehmigt werden. Doch davon will sich Knille nicht beirren lassen. Die Umsetzung sei vor allem eines: Eine Frage des Willens, eine Frage des Machens – mit Köpfchen und Konzept.

Und: In Deutschland finden bereits jetzt nahezu jedes Wochenende Kampfsportevents mit Kickboxen, klassischem Profi- und Amateurboxen statt – alles auf einer Fightcard. Stimmen Organisation, Struktur und Dramaturgie, kann das WBU-Format zum echten Highlight werden, so Knille und Frohn-Lux. Dann schillert auch wieder das Label: Bundesligaboxen.

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