Weltkrieg und »Alien Enemies«
Als die USA 1917 in den Ersten Weltkrieg eintraten, war das mit einer Welle harter Repressionen gegen Kriegsgegner in der Arbeiterbewegung und gegen deutschsprachige Immigranten verbunden, wobei sich das teilweise überschnitt: Deutsch-Amerikaner spielten in der Arbeiterbewegung in den USA bis zum Ersten Weltkrieg eine sehr wichtige Rolle. Ein wichtiger Hebel dieser Repression war neben dem »Espionage Act« von 1917 der »Alien Enemy Act« von 1798. Dieses in Deutschland wenig bekannte Kapitel ist Gegenstand eines neuen, gut illustrierten Buches, das sich vor allem am Beispiel des Internierungslagers Camp Oglethorpe im Norden des Bundesstaates Georgia, das von 1917 bis 1920 bestand, mit dieser Kampagne gegen »feindliche Ausländer« beschäftigt.
Eingangs beschäftigen sich die Autoren Wolf-Rüdiger Baumann und Claudia Saam relativ ausführlich auch mit der »Propagandaschlacht« und der »Erschaffung eines Feindbildes« im Zusammenhang mit dem Kriegseintritt. Sie schildern dann die »Stimmung der Angst« bei vielen Deutsch-Amerikanern. Mit einer Reihe von Beispielen werden die »Verfolgung von Oppositionellen«, die Denunziationen und die unterschiedlichen Anschuldigungen (von vorgeworfener Spionage über eine versäumte Registrierung bis hin zur Antikriegshaltung) beleuchtet, die zu einer Internierung führten.
Im zweiten Teil gehen die Autoren detailliert auf den Mikrokosmos im Camp Oglethorpe ein, das die deutschen Insassen vielfach »Orgelsdorf« nannten. Thematisiert werden der Lageralltag, die Aktivitäten und die »fortbestehenden Klassenschranken« zwischen den Internierten. (jW)
Wolf-Rüdiger Baumann, Claudia Saam: Deutsche »Alien Enemies« in den USA. Camp Oglethorpe 1917–1920. Transit, Berlin 2025, 175 Seiten, 24 Euro
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