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Aus: Ausgabe vom 14.01.2026, Seite 1 / Titel
Krieg gegen Palästinenser

Sturm über Gaza

Menschen erfrieren und werden von einstürzenden Mauern erschlagen – eine direkte Folge von Israels Blockade humanitärer Güter und Baumaterialien
Von David Siegmund-Schultze
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Eines Lebens in Würde beraubt: Die meisten Menschen im Gazastreifen leben in notdürftigen Zeltlagern (Gaza-Stadt, 13.1.2026)

Palästina und Israel treffen schwere Stürme und Regenfälle. In Jerusalem ist am Dienstag eine 50jährige Frau von einem schweren Gegenstand erschlagen worden, als ihr Haus überflutet wurde. Die israelische Tageszeitung Haaretz meldete außerdem Verletzte und blockierte Autobahnen. Im Gazastreifen sind die meisten Menschen dem Unwetter noch schutzloser ausgeliefert. Seit Beginn des Genozids gegen die Palästinenser in der abgeriegelten Enklave hat die israelische Armee UN-Angaben zufolge 92 Prozent der Gebäude zerstört oder beschädigt. Mindestens 1,1 Millionen Menschen benötigen dringend eine adäquate Unterkunft, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric auf einer Pressekonferenz am Montag.

Doch das israelische Militär verhindert noch immer die uneingeschränkte Einfuhr von Zelten, Baumaterialien und schwerem Gerät zum Beseitigen von Trümmern – trotz gegenteiliger Zusagen im am 11. Oktober in Kraft getretenen »Waffenstillstandsabkommen« mit der Hamas. Seitdem hat die Armee sogar weitere 2.500 Gebäude zerstört, wie die New York Times am Montag berichtete. Während selbst die US-Regierung laut einem Haaretz-Bericht vom Dezember anerkennt, dass sich die palästinensische Seite weitgehend an die Vereinbarung gehalten hat, hat Tel Aviv sie nach Belieben gebrochen. 447 Palästinenser wurden seit der Einigung laut jüngsten Angaben der lokalen Gesundheitsbehörde durch das Militär getötet, 1.246 verletzt. Unter den Getöteten seien mehr als 100 Kinder, sagte UNICEF-Sprecher James Elder am Dienstag.

Gleichentags sind vier Menschen erfroren, darunter ein einjähriges Kind, wie Al-Dschasira berichtete. Diesen Winter seien bereits sechs Kinder an Unterkühlung gestorben, so Elder – eine direkte Folge der israelischen Blockade. Weitere vier Palästinenser sind laut der Nachrichtenagentur AP am Dienstag ums Leben gekommen, weil Hausmauern infolge der Stürme auf ihre Zelte gestürzt sind. Sie »eignen sich weder im Sommer noch im Winter«, sagte der 72jähirge Augenzeuge Mohammed Al-Sawalha gegenüber AP. »Wir haben Häuser und Gebäude mit Türen zurückgelassen, die man öffnen und schließen konnte. Jetzt leben wir in einem Zelt. Selbst Schafe leben nicht so wie wir.«

Neben der Blockade von ausreichend Lebensmitteln und medizinischen Gütern hat Tel Aviv zum 1. Januar 37 internationale Hilfsorganisationen aus dem Gazastreifen verbannt. Das israelische Kabinettsmitglied Amichai Chikli von der Likud-Partei begründete den Schritt damit, dass sie die »humanitären Rahmenbedingungen für terroristische Zwecke« ausgenutzt hätten. Die Folge: 95.000 Menschen sind laut UN-Sprecher Dujarric noch immer akut unterernährt. Und die Krankenhäuser arbeiten unter Medikamentenknappheit und ohne Röntgen- und Ultraschallgeräte – weil israelische Soldaten diese systematisch zerstört haben. Das berichtete die US-amerikanische Ärztin Mimi Sajid, die in den vergangenen Jahren mehrfach im Gazastreifen tätig war, dem US-Nachrichtenportal Drop Site am Dienstag unter Berufung auf Kollegen vor Ort. Demnach können 350.000 chronisch kranke Patienten nicht adäquat behandelt werden.

Während Israels Armee ungeachtet des sogenannten Waffenstillstands die Lebensgrundlagen der Palästinenser in Gaza weiter systematisch zerstört, will US-Präsident Donald Trump rasch seinen »Friedensrat« in der Enklave installieren. In neokolonialer Manier soll dem Gremium unter US-Leitung die Regierungsmacht in Gaza übergeben werden. Laut einem Haaretz-Bericht vom Dienstag sieht Washington außerdem vor, dem Rat ein über den Küstenstreifen hinausgehendes Mandat zu geben. Das hätten mehrere Quellen aus dem Umfeld des Weißen Hauses der Zeitung gesagt. Demnach soll er in Konkurrenz zur UNO weltweit Konflikte lösen.

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