Gegründet 1947 Donnerstag, 8. Januar 2026, Nr. 6
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben

Time Warp

Von Marco Bertram
imago1059166809(1).jpg
Übelste Bambule: Rostock vs. Dresden vs. Polizei (Rostock, 22.2.2025)

Ente gut – alles gut. Vom knusprigen Entenbraten bis zum geschmackvollen Fischfilet wurde über die Feiertage in gemütlicher Runde alles durchprobiert, und da nun das Jahr 2026 mit neuen Herausforderungen gestartet ist, wird das zurückliegende Jahr noch einmal gedanklich im Schnelldurchlauf abgespult. Zack, bum, peng! Übelste Bambule beim Duell Rostock vs. Dresden, Westberliner Gemütlichkeit bei den Heim- und Auswärtsspielen der Sp. Vg. Blau-Weiß 90 Berlin, Emotionen satt beim Aufstieg der BSG Stahl Brandenburg in Waldsieversdorf und beim Brandenburger Derby gegen Süd 05, reichlich Emotionen anderer Art bei der Ausstellung zu 60 Jahren Hansa in der Kunsthalle Rostock, zudem das eine oder andere Highlight beim regionalen Amateurfußball. Hervorzuheben sind das gut besuchte Derby in Falkensee, das Heimspiel des 1. FC Frankfurt (Oder) gegen Stahl Brandenburg, als auf Heimseite wieder stolz die alten Vorwärts-Farben Gelb und Rot präsentiert wurden, und mein Abstecher zu Preußen Blankenfelde, wo man mit alten BFCern hätte hübsch versacken können.

Die Futbology-App gibt Auskunft, wo im Laufe des Jahres vorbeigeschaut wurde. 38 Spiele trug ich ein – alten Groundhopperhasen würde da nur ein müdes Lächeln über das Gesicht huschen. Meine wilden Zeiten sind vorbei. Anfang und Mitte der 90er Jahre nahm ich in NRW und im Osten alles mit, was sich bot, und in jüngerer Vergangenheit ließ ich es von 2009 bis 2016 richtig krachen, als ich quasi an jedem Wochenende über ein brisantes Spiel berichtete. So hatte ich allein im Jahr 2012 immerhin 109 Spiele gesehen. Angefangen mit Babelsberg vs. Münster, aufgehört mit Braunschweig vs. Union Berlin.

Inzwischen gilt für mich: weniger ist mehr. Mehr Entspannung, mehr genießen, lieber mal vor Ort mit den Leuten den Tag in Ruhe ausklingen lassen. Sambuca in einer Reinickendorfer Eckkneipe, norddeutsches Pils in der Warnemünder Klönstuv. Vielleicht ein-, zweimal kann man es im Monat noch richtig krachen lassen – aber man ist ja keine 20 mehr. Apropos krachen. Ein richtiges Fest sind in der Regel etwaige Aufstiege. Die vorigen von Hansa Rostock, Lichtenberg 47 und Dynamo Schwerin waren legendär, noch eins drauf setzte im vergangenen Juni der besagte Aufstieg der Brandenburger in Waldsieversdorf. Der Tag in der Märkischen Schweiz war ein Gedicht. Stahl Feuer! Nachdem sportlich alles in trockene Tücher gebracht worden war, floss das Bier in Strömen, als gäbe es kein Morgen mehr. Bei der fröhlichen Rückfahrt im Überlandbus von Müncheberg nach Strausberg über die märkischen Felder fühlte ich mich auf den Balkan versetzt. Ein »Time Warp« vom Feinsten. Mir wurde klar: Genau deshalb lieben wir den Fußball so sehr. Euch allen ein gesundes und erlebnisreiches Jahr 2026!

Friedenspropaganda statt Kriegsspielzeug

Mit dem Winteraktionsabo bieten wir denen ein Einstiegsangebot, die genug haben von der Kriegspropaganda der Mainstreammedien und auf der Suche nach anderen Analysen und Hintergründen sind. Es eignet sich, um sich mit unserer marxistisch-orientierten Blattlinie vertraut zu machen und sich von der Qualität unserer journalistischen Arbeit zu überzeugen. Und mit einem Preis von 25 Euro ist es das ideale Präsent, um liebe Menschen im Umfeld mit 30 Tagen Friedenspropaganda zu beschenken.

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.