Sportwettenanbieter Tipico wird nach Frankreich verkauft
München. Der führende deutsche Sportwettenanbieter Tipico wird französisch. Der Unterhaltungskonzern Banijay Group, dem der Rivale Betclic gehört, übernimmt vom Finanzinvestor CVC die Mehrheit an Tipico, wie die Beteiligten am Dienstag mitteilten. Das Unternehmen mit Wurzeln in Karlsruhe werde dabei mit 4,6 Milliarden Euro bewertet und soll zusammen mit Betclic zur Nummer vier im europäischen Sportwetten- und Onlineglücksspielmarkt werden. »In diesem Markt geht es nicht um Größe, sondern um Marktführerschaft«, sagte Banijay-Chef Francois Riahi in einer Telefonkonferenz. In Deutschland wickelt Tipico nach eigenen Angaben jede zweite Sportwette ab. In Österreich hatte sich Tipico im September den Konkurrenten Admiral einverleibt, der bis dahin dem Automatenhersteller Novomatic gehörte.
»Es ist genau die Transaktion, auf die wir in den letzten Jahren hingearbeitet haben«, sagte Tipico-Chef Axel Hefer. »Wir haben von Anfang an darauf gesetzt, dass es am Ende einen strategischen Käufer für Tipico geben wird«, sagte CVC-Manager Daniel Pindur der Nachrichtenagentur Reuters. »Und Betclic war mit Abstand unser Wunschpartner.« In Frankreich und Portugal sieht sich Betclic als Nummer eins, in Deutschland und Österreich Tipico. In Italien dominiert die heimische Lottomatica den Sportwettenmarkt, in Großbritannien ist der BWin-Eigentümer Entain führend.
Banijay soll an dem entstehenden Unternehmen zunächst 65 Prozent halten, will aber später bis auf 72 Prozent aufstocken. Der Investor CVC, der 2016 für knapp 1,4 Milliarden Euro bei Tipico eingestiegen war, hat den Großteil seiner Anteile verkauft, die restlichen sieben Prozent sollen später an Banijay gehen. Die vier Firmengründer tauschen ihre Tipico-Beteiligung in 28 Prozent an der Glücksspiel-Sparte von Banijay.
Tipico wurde 2004 von vier deutschen Unternehmern in Karlsruhe gegründet, operiert aber wegen des Tauziehens um eine Liberalisierung des Glücksspielmarkts ebenso wie Betclic von der Mittelmeerinsel Malta aus. »Wir sind sehr stolz, dass wir das Sportwettengeschäft mit dem Glücksspielstaatsvertrag in ein reguliertes Geschäft überführt haben – auch wenn das auf Kosten der Marge ging«, sagte CVC-Manager Pindur. Seit 2021 sind Sportwetten auch in Deutschland geregelt. Tipico bietet seine Wetten online, aber auch in 1.250 Annahmestellen an, von denen die meisten von Franchisenehmern betrieben werden.
Die Wett- und Gamingsparte von Banijay kann ihren Umsatz und den operativen Gewinn mit der Übernahme von Tipico nach eigenen Angaben verdoppeln. Zusammengerechnet kamen beide 2024 mit 5.300 Mitarbeitern auf einen Umsatz von drei Milliarden Euro und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 854 Millionen Euro, gut die Hälfte davon kommt jeweils von Tipico. 3.800 Menschen arbeiten für Tipico, vor allem in Malta, aber auch in Kroatien und Karlsruhe. (Reuters/jW)
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