Streit um Öl- und Gasprofite
Von Thomas Berger
Wem gehören Malaysias Bodenschätze, vor allem die wirtschaftlich bedeutenden Öl- und Gasvorkommen? Um diese Frage eskaliert gerade ein Konflikt zwischen einer Teilregion und der Zentralmacht. Der Bundesstaat Sarawak, einer von zweien im malaysischen Teil der Insel Borneo, fordert eine stärkere Teilhabe und ist auf Konfrontationskurs mit der Politik in Kuala Lumpur. Die daraus entstehenden Unwägbarkeiten haben nun einen ausländischen Akteur dazu gebracht, sich aus dem Gebiet zurückzuziehen. Vorige Woche wurde der Ausstieg des US-amerikanischen Ölgiganten Conoco Phillips beim Projekt Salam-Patawali bekannt.
Das Erdöl- und Erdgasvorkommen vor der Südküste Sarawaks war im Jahr 2018 entdeckt worden. Momentan befindet sich das Projekt noch im Stadium einer Machbarkeitsstudie, 2023 fand eine seismische 3D-Studie in dem Gebiet statt. Laut Medienberichten sollte 2026 mit einer ersten Stufe der Förderung begonnen und zwei Jahre später volle Produktionsstärke erreicht werden. Demnach würde das Förderpotential der Vorkommen bis 2067 reichen. Conoco Phillips war geschäftsführender Partner im Joint Venture mit der staatlichen Petronas, an dem beide jeweils 50 Prozent hielten. Der Gesamtwert der Investitionskosten war mit rund 3,1 Milliarden US-Dollar veranschlagt.
Den verantwortlichen US-Amerikanern sind die zunehmenden Debatten zwischen den politischen Ebenen und Machtzentren, die indirekt auch diese Förderlizenz in Frage stellen, offenbar lästig geworden. Der Rückzug kam zwar überraschend, schmerzt den Konzern aber nicht allzu stark. Schließlich ist Conoco Phillips an insgesamt sechs malaysischen Förderprojekten beteiligt. Gleich vier davon liegen im unmittelbar benachbarten Sabah, worauf man sich in einem internen Umstrukturierungsprozess zukünftig konzentrieren wolle, meldete das Singapurer Nachrichtenportal Channel News Asia (CNA) am 29. April unter Berufung auf zwei nicht näher bezeichnete Quellen in der Konzernspitze.
Gänzlich neu war der Fakt da schon nicht mehr; die erste Meldung dazu auf dem Branchenportal Upstream Online genau zwei Wochen zuvor hatte allerdings wenig Beachtung erfahren. Zuletzt ließ am Wochenende Malaysias ohnehin auf Ausgleich bedachter Premierminister Anwar Ibrahim verlauten, in Kürze Vermittlungsschritte für eine Einigung mit der Regionalregierung in Sarawak gehen zu wollen. Laut der Malay Mail hat Anwar ein Auftaktgespräch dazu mit Abang Johari Openg eingeräumt. Tiefergehende Diskussionen sollen folgen, sobald Sarawaks Premier von seinem aktuellen London-Besuch heimkehre, hieß es noch. Wichtige Regionalparteien aus Sabah und Sarawak stützen Anwars Koalition.
Ein Gesetz aus dem Jahr 1974 sichert dem nationalen Konzern Petronas – die Petronas Twin Towers, zeitweise höchstes Gebäude der Welt, sind das architektonische Wahrzeichen der Hauptstadt Kuala Lumpur – unmittelbare Zugriffsrechte auf alle Lagerstätten. Das aufmüpfige Sarawak, auf das ein Großteil der Öl- und Gasvorkommen des Landes entfällt, möchte aber mehr Gewinnanteile aus den Ressourcen vor seiner Küstenlinie und hat darum schon 2017 die eigene Staatsfirma Petroleum Sarawak Berhad (Petros) gegründet. Diese befindet sich mit Petronas in mehreren juristischen Auseinandersetzungen. Der Ausstieg von Conoco Phillips sei kein Rückschlag, sondern eher eine Chance, dass die Gewinne aus diesem Projekt stärker vor Ort verbleiben, zitierte die Zeitung Dayak Daily am 1. Mai den regionalen Abgeordneten Lo Khere Chiang, der damit ganz auf der Linie von Abang liegt.
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