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USA: Verwirrung um »verbotene Begriffe«

Washington. Wie Reuters am Donnerstag unter Berufung auf zwei Hinweisgeber berichtete, sollen Wissenschaftler der US-Arzneimittelbehörde FDA angewiesen worden sein, unter anderem die Begriffe »Frau«, »behindert« und »älter« in ihrer externen Kommunikation nicht mehr zu verwenden. Eine entsprechende Liste kursiere demnach unter dem Dateinamen »Verbotene Begriffe« seit mindestens vergangener Woche in internen Chats, so die zwei anonymen FDA-Wissenschaftler. Weder sie noch ihre Vorgesetzten wüssten, wer die Richtlinie herausgegeben habe oder warum viele der mehr als zwei Dutzend Wörter darin enthalten seien. Die Liste stiftet demnach weitere Verwirrung in der Behörde, die mit einer Entlassungswelle infolge der Entscheidungen der Trump-Regierung zu kämpfen hat. Auch eine andere Bundesgesundheitsbehörde ist bereits aufgefordert worden, Begriffe wie Geschlecht, Transgender, LGBT (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender) und nichtbinär aus ihrer Kommunikation zu entfernen, um den Anordnungen des US-Präsidenten Folge zu leisten. Dieser hatte noch am Tag seines Amtsantrittes am 20. Januar erlassen, dass ausschließlich das männliche und weibliche Geschlecht anerkannt und Programme für Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration abgeschafft werden. Infolge dieser Anweisung hatten die U. S. Centers for Disease Control and Prevention öffentlich zugängliche Gesundheitsinformationen wie HIV-Datensätze entfernt und Forschungsarbeiten, die zur Veröffentlichung in wissenschaftlichen Zeitschriften vorgesehen waren, zum Zwecke der Überprüfung durch von Trump ernannte Personen zurückgezogen.

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte gegenüber Reuters, dass die meisten Wörter auf der FDA-Liste nicht aus deren Kommunikation entfernt werden müssten. Das Missverständnis könne darauf zurückgeführt werden, dass FDA-Beamte Trumps Verordnung gegen »Genderideologie« falsch interpretiert hätten. Allein die Begriffe »Gender«, »Inklusion«, »Identität« und »Diversität« sollten nicht mehr von der Arzneimittelbehörde verwendet werden. Ein Sprecher der Einrichtung dementierte laut der Nachrichtenagentur, dass es überhaupt eine solche Liste verbotener Wörter gebe, und lehnte es ab, die Aussagen des Weißen Hauses zu kommentieren. (Reuters/jW)

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.02.2025, Seite 15, Feminismus

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