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Nicht auflegen

Habeck ruft an

Von Norman Philippen
Foto: Björn Trotzki/IMAGO
Trillerpfeifen raus, er telefoniert schon wieder!

Dass der amtierende Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister (BuWiKlimi) so effizient ehrlich wie fast schon bescheuert bescheiden ist – wer wüsste es nach zwei Jahren Amtszeit nicht? Das brachiale Ausmaß seiner Bürgernähe aber dürfte in seiner ganzen Tatsächlichkeit neulich den Monheimer Unternehmer Alexander Zimmer nicht minder verwundert haben als anschließend die Internetinteressierten im Lande. »Yo, krass! Der Habeck: Hält halt, was er verspricht, der Mann«, hätten sich selbst junge Hauptstadt-YOLOs in der Schultram gegenseitig gesagt haben können, wäre wegen schlechter Wirtschaft und so nicht grade klimamäßig unschützenswerter BVG-Streik gewesen. So erschollen die ersten »Ha-ha-Habeck!«-Rufe wohl erst zur großen Pause über die Schmuddelschulhöfe Berlins.

Aber was war denn gewesen? Als Geschäftsführer der Monheimer Marienburg war Zimmer aufgefallen, dass sein im Mai 2022 gestellter Antrag auf Förderung der Nutzung von erneuerbaren Energieträgern bis Januar 2024 leider unbeantwortet blieb. Daher mailte er dem zuständigen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz was zur (un)ziemlichen, Unternehmer ausbremsenden Verzögerung. Was dann geschah, macht Mut. Jedenfalls dem Zimmer. Denn Habeck griff kurzerhand zum Bürgertelefon, um für zehn Minuten ziemlich Verbindliches durch den Hörer zu hauchen. Wie eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums dem Tagesspiegel verraten durfte, macht so was »in unregelmäßigem Abstand, soweit die Zeit es zulässt«, der Habeck halt so.

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Was für Zimmer »ein Zeichen, dass es kein PR-Gag ist«, ist, könnte anderen klugen Unternehmern im Lande zur Mahnung gereichen, die gute alte Trillerpfeife für den Fall griffbereit zu halten, dass bald auch bei ihnen eine 030-Nummer mal ganz ungewollt verbindlich anklingelt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.02.2024, Seite 10, Feuilleton

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