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Aus: Ausgabe vom 15.06.2021, Seite 3 / Schwerpunkt

Hintergrund: Fiction oder ­Science?

Es ist noch keine Sauregurkenzeit, und Nessie hat sich auch schon lange nicht mehr gezeigt. Zeit also für Themen aus dem Bereich »Nichts Genaues weiß man nicht«. Wenigstens in diesem Punkt werden die USA ihrer Verantwortung als Führungsmacht der »Freien Welt« gerecht. Ende dieses Monats will der US-Kongress nach Angaben der polnischen Zeitung ­Rzeczpospolita vom vergangenen Dienstag einen Bericht über insgesamt 120 seltsame Vorfälle aus den vergangenen Jahren vorlegen, die sich im erdnahen Luftraum zugetragen haben sollen. Der Report geht demnach auf eine 2019 reaktivierte Abteilung des Pentagon zurück, die sich »Taskforce für unidentifizierte Luftphänomene« nennt. So habe der Kommandeur eines »F-18«-Abfangjägers in der Luft ein »weißliches Objekt« gesehen, das »weder Federn noch Flügel oder Rotoren« aufgewiesen habe und trotzdem schneller als sein eigenes Flugzeug gewesen sei. Nur mit einiger Mühe habe er eine Kollision mit dem Objekt vermeiden können, so Kampfflieger David Fravor. Den Artikel ziert der Ausdruck eines Radarfotos, welches ein Etwas mit unscharfen Konturen in Schräglage zeigt, nicht unähnlich dem taumelnden Flug einer Fledermaus in der Abenddämmerung. Aber das ist natürlich unsere erdgebundene Wahrnehmung.

Die Sache liest sich vergnüglich, aber sie hat einen ernsten Kern. Manche US-Militärs und Geheimdienstler halten offenbar nicht für unmöglich, dass sich hinter den beobachteten Seltsamkeiten neuartige Hyperschallwaffen Russlands oder Chinas verbergen können. Im Klartext bedeutet das: Die USA schließen nicht aus, womöglich irgendeine Revolution der Militärtechnik verpasst zu haben und infolgedessen verwundbar geworden zu sein.

Der Spiegel zitierte am Montag morgen ohne genaue Quellenangabe NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg mit der Aussage, die westliche Allianz müsse künftig auch Angriffe auf »unsere Satellitennetze« als potentiellen Bündnisfall definieren. Das Problem dabei ist ein geradezu philosophisches. Sollte es um Objekte irdischer Herkunft gehen, sind die üblichen Verdächtigen schnell benannt: Russland oder China. Wäre aber die Hypothese, es handle sich um Angreifer aus den Tiefen des Kosmos, wäre zu ihrer Abwehr genau das Zusammengehen mit diesen üblichen Verdächtigen naheliegend. Herkules steht mal wieder am Scheideweg. (rl)

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