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Aus: Ausgabe vom 10.11.2020, Seite 3 / Schwerpunkt
Corpus Delicti

Hintergrund: Beweismittel ­Mobiltelefon

Seit 20 Jahren bekocht der Hamburger Ole Plogstedt mit seiner Cateringfirma »Rote Gourmet Fraktion« deutsche und internationale Rockbands und Stars auf ihren Tourneen, etwa die Toten Hosen, Fettes Brot oder Jan Delay. Der Koch, der auch durch TV-Auftritte (»Die Kochprofis«, RTL 2) bekannt wurde, engagiert sich seit langem politisch. So unterstützt er Organisationen wie Oxfam, Seebrücke oder Pro Asyl, veranstaltete in Hamburg im September eine Kochshow mit dem Titel »Gegen rechts und andere Geschmacklosigkeiten«.

Dass er versuchte, einen brutalen Polizeieinsatz zu filmen, zu dem es am Abend des 26. Juli in der Nähe seines Hauses in einem Hamburger Vorort kam, versteht Plogstedt als »Bürgerpflicht«. Mit seiner Frau Bettina saß er im Vorgarten, als Geschrei von der Straße zu hören war. Dort sahen sie etwa ein Dutzend Polizeibeamte, die zwei junge Erwachsene, einen Mann und eine Frau, traktierten. »Es war ein unglaublicher Tumult«, berichtete Plogstedts Frau am Freitag gegenüber jW. Die Polizisten hätten »wie ein Hühnerhaufen« agiert, die beiden mit unverhältnismäßiger Gewalt zu Boden gebracht, so dass zwei Rettungswagen anrückten.

Angesichts der Brutalität des Einsatzes zückte Plogstedt sein Mobiltelefon, konnte aber nicht lange filmen, da der Einsatzleiter ihm das Gerät aus der Hand riss. Dieses liegt nun immer noch beim Landeskriminalamt (LKA), und gegen den Koch läuft ein Verfahren wegen »Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes«.

Die Staatsanwaltschaft bot die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldbuße von 200 Euro an – und unter der Bedingung, dass die Videodatei vom LKA im Beisein des Kochs gelöscht wird. Das sei natürlich schon deshalb indiskutabel, weil die Aufnahme ja beweisen könnte, dass gar kein »vertrauliches Wort« aufgenommen worden sei, so Plogstedt. (kst)

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