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OPCW bestätigt Nervengift bei Nawalny

Foto: Piroschka van de Wouw/Reuters
Sitz der Organisation für das Verbot chemischer Waffen in Den Haag (4.10.2018)

Den Haag. Die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hat bestätigt, dass der russische Oppositionelle Alexej Nawalny mit einem chemischen Nervengift vergiftet wurde. Spuren davon seien in Nawalnys Blut und Urin gefunden worden, teilte die OPCW am Dienstag in Den Haag mit. In der Erklärung hieß es: »Die Ergebnisse der Analyse biomedizinischer Proben, die von den von der OPCW benannten Labors durchgeführt wurde, zeigen, dass Herr Nawalny einer toxischen Chemikalie ausgesetzt war, die als Cholinesterasehemmer wirkt«. Die Biomarker des gefundenen Cholinesteraseinhibitors wiesen demnach ähnliche strukturelle Merkmale auf wie das im November 2019 in die Liste der Nervenkampfstoffe aufgenommene Nowitschok. Die OPCW übergab die Ergebnisse an die deutsche Regierung und bat darum, sie an alle Mitgliedsstaaten der Organisation weiterzuleiten und zu veröffentlichen.

Berlin erklärte dazu: »Damit bestätigt sich erneut der zweifelsfreie Nachweis, dass Alexej Nawalny Opfer eines Angriffs mit einem chemischen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe geworden ist.« Und weiter: »Die Bundesregierung erneuert ihre Aufforderung an Russland, sich zu den Geschehnissen zu erklären.« Die Bundesregierung prüft den Angaben zufolge derzeit den Bericht der OPCW zu der Analyse. Über die nächsten Schritte werde es in den kommenden Tagen im Exekutivrat der Kontrollbehörde und im Kreis der EU-Partner einen engen Austausch geben.

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Kritik an der OPCW-Analyse kam aus Russland. Der Vorsitzende des Ausschusses für internationale Angelegenheiten der Staatsduma, Leonid Sluzki, erklärte zu den Ergebnissen laut Nachrichtenagentur Interfax: »Sie bestätigen lediglich das, was die Organisatoren der größten russenfeindlichen Provokation, die nach Nawalny benannt ist, hören wollten.« Zuvor hatte sich der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow, geweigert, den Bericht der OPCW zu kommentieren, da der Kreml zu diesem Zeitpunkt keine offiziellen Dokumente erhalten hatte. (dpa/jW)

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Erschienen am 07.10.2020, Ausland

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